Ca. 1 Stunde nach Abfahrt in München kamen wir in Wasserburg an. Der Himmel ist grau und es ist kalt.
Der Weg vom Bahnhof rauf zum Klinikum war unheimlich. Es waren keine Menschen zu sehen, vor uns eine Straße, die von kahlen Bäumen abgegrenzt ist und bei einem Haus hingen Seile vor der Haustüre.
In anbetracht dessen, dass wir gerade auf dem Weg in eine Irrenanstalt waren, war uns etwas mulmig zumute.
Einige gruselige Momente später erreichten wir doch noch unbeschadet das Klinikgelände und das Wohnheim.
Am nächsten Tag besuchten wir die Stadt Wasserburg, die noch sehr im mittelalterlichen Stil glänzt. Wir trotztem dem Regenwetter und besichtigten alle Sehenswerten Ecken dieser tollen Stadt.

Am 30.10. ging das Praktikum dann endlich los.
Ich durfte zwei Wochen auf der Suchtstation S2 mitarbeiten.
Die S2 ist eine Aufnahmestation für primär Suchtkranke Patienten, egal ob Alkohol oder sonstige Drogen. Dadurch, dass es eine Aufnahmestation ist, müssen allerdings auch alle anderen Patienten, die eine Psychiatrie aufsuchen aufgenommen werden.
Somit hatte ich in diesen zwei Wochen nicht nur mit Suchtkranken Patienten zu tun, sonder auch mit Krankheitsbildern, wie etwa akute Psychosen, Suizidgedanken, oder Schizophrenie. Diese Mischung verschiedener Patienten machte das Ganze noch spannender, da jeder von ihnen eine ganz individuelle Betreuung bedurfte.
Die Suchtkranken Patienten machen auf der S2 einen Alkohol- oder Drogenentzug, primär medikamentös, um den körperlichen Entzug voran zu treiben. Mithilfe von zwei Sozialpädagoginnen auf der Station, haben die Patienten die Möglichkeit auch abseits der Medikamente für die Zeit nach der Entlassung, gemeinsam mit den beiden Kolleginnen eine ambulante Selbsthilfegruppe, o.ä. zu finden. Weitere Betreuung benötigen die Suchtpatienten in der Regel nicht.
Bei Patienten mit Schizophrenie oder akuten Psychosen sieht das schon anders aus. Wenn sie wieder ein psychotischer Schub ereilt, sind sie in ihrer eigenen Welt gefangen.
Ich hatte während meines Praktikums unter anderem mit Patienten zu tun, die ihre toten Verwandten sahen, die der Patienten befahlen sich selbst zu bestrafen. Desweiteren hatten wir eine Patientin, die in jedem Menschen eine komplett andere "Figur" sah. In mir beispielsweise sah sie Lucifer.
Diese Patienten kamen regelmäßig auf das Pflegepersonal zu, um über ihre aktuelle Situation zu reden. Aber auch wir kamen auf die Patienten zu, wenn wir bemerkten, dass sie gerade wieder in eine andere Welt abdriften.
Manche Patienten machten sehr gute Vortschritte und konnten mit gutem Gewissen entlassen werden. Ander wiederum sah man immer und immer wieder - auch in der Psychiatrie gibt es Stammgäste.
Ich wurde während meiner Praktikumszeit voll ins Team integriert. Zu den Aufgaben gehörten unter anderem das Vorbereiten von Frühstück, Mittag- und Abendessen, die Patienten zur Ergo-, Sport-, Kunst- oder Entspannungstherapie zu begleiten, mit den Patienten spazieren gehen und eben die Betreuung von Patienten, wenn sie in ihre Krankheitsbilder zurückgefallen sind.
Da die Patienten auf der S2 alle Selbstständig sind, fällt der pflegerische Aspekt, wie Helfen bei der Körperpflege komplett weg.
Vom Alter her war ebenso wie bei den Krankheitsbildern sehr viel vertreten.
Der jüngste Patient war 19 Jahre, der älteste 76.
Das Klinikgelände ist im alten Pavillionstil errichtet worden und es stehen noch zum Großteil die alten Backsteinhäuser herum. Die roten Backsteingebäude in Verbindung mit dem Herbstnebel und der Kälte waren doch das ein und andere Mal etwas gruseig.
Insgesamt sechs Kollegen aus meiner Klasse absolvierten mit mir in diesem Klinikum das Praktikum.
Jeder war in einer anderen Abteilung eingesetzt.
Während unseres Aufenthaltes wohnten wir im Schwesternwohnheim, das sich am Gelände befindet.
Das Praktikum war wirklich sehr interessant. Im Rettungsdienst sind wir meistens froh, wenn wir solche Patienten aus dem RTW bekommen. Hier konnte ich nun mal sehen, wie es weitergeht, wenn sie aus unserem Auto ausgestiegen sind.
Außerdem habe ich vieles über Suchtkranke und psychotische Menschen erfahren, vor allem was hinter so einer Krankheit steckt.
Es waren zwei lehrreiche Wochen, die ich in guter Erinnerung behalten werde.
In diesem Sinne, mit lieben Grüßen aus München,
Patrick







