Samstag, 18. März 2017

Schockraumalarm

Ein Anruf von der ILS (Integrierten Leitstelle) München: Vorankündigung Polytrauma, Verkehrsunfall, Eintreffzeit des Patienten mit Notarztbegleitung in ca. 20 Minuten.

Es ist gegen 13:00 Uhr, als die Hebel für die Schockraumalarmierung in Gang gesetzt werden.
Songraphiegerät reinschieben, Röntgenschürze anziehen, Blutabnahmeset und EKG vorbereiten. Nach und nach trudeln die Kollegen aus den verschiedenen Fachbereichen Anästhesie, Allgemein- und Unfallchirurgie, sowie Radiologie ein.

13:15 Nun wartet alles auf den Patienten. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen und alle Geräte (Narkosegerät, Motorspritzen, Defibrillator...) zum wiederholten Mal auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft. Ich stelle mich ans Fußende der Liege und nehme mir die Kleiderschere aus der Halterung. Meine Aufgabe wird es sein dem Patienten die Kleidung aufzuschneiden und zu entfernen, sodass die Ärzte freien Zugang auf den gesamten Körper haben, um eventuelle Verletzungen von oben bis unten festzustellen.

13:20 Die Türe geht auf und der Rettungsdienst samt Notarzt und Patient betreten den Schockraum. Der Notarzt übergibt dem Traumaleader (Oberarzt der Unfallchirurgie) mit den wichtigsten Infos in knappen Worten den Patienten.
Der Patient ist soweit kreislaufstabil, hat ein Schädel Hirn Trauma, Schmerzen im Bereich des linken Brustkorbes, sowie Schmerzen und eine Wunde am linken Unterschenkel.
Innerhalb von 5 Minuten nach Eintreffen ist der Patient von der Trage des Rettungsdienstes auf unsere Liege umgelagert, die Allgemeinchirurgen untersuchen mit dem Sonographiegerät den Bauch des Patienten, die Unfallchirurgen übernehmen den Bodycheck und eine weitere Ärztin hört die Lunge ab, um sicherzustellen, dass diese nicht verletzt ist und der Patient gut atmen kann.
Währenddessen schreite ich zur Tat, ziehe ihm die Schuhe aus, schneide die Jeans vorsichtig auf und arbeite mich hoch bis zum T-Shirt, dass ich zuletzt ebenfalls runter schneide.

13:35 Der Patient ist soweit nicht lebensbedrohlich verletzt und stabil genug, um zum CT weiterzufahren. Die Traumaspirale ist im vollen Gange.
Mit Überwachungs-Monitoring schieben wir den Patienten zu den Kollegen vom Röntgen rüber. Ich helfe noch beim Umlagern mit und verabschiede mich einstweilen vom Patienten, den ich später in der Notaufnahme sowieso wiedersehen werde.

Etwas später stellte sich heraus, dass der Unterschenkel gebrochen ist, aber der Patient ansonsten keine weiteren Verletzungen hat. Er wird einige Tage in der Klinik verbringen müssen, bis sich sein Zustand gänzlich bessert.

Das erste Klinikpraktikum

Sonntag, der 12.02.2017. Ich sitze in meinem Zimmer, schreibe den Anfang dieses Blogeintrages und meine Gedanken kreisen momentan nur um eins: Das anstehende Klinikpraktikum.
Werden die Kollegen nett sein? schaffe ich es den Ausbildungsordner fristgerecht fertig zu bekommen? wird schon viel von mir erwartet? darf ich schon vieles machen, oder bin ich anfangs einfach nur der Mitläufer?
Fragen über Fragen, die sich in ein paar Stunden alle klären werden...und zwar hoffentlich zum Positiven.

Einmal auf der anderen Seite 

Insgesamt drei Wochen war ich ein Teil des Teams in der Notaufnahme des Klinikums dritter Orden.
Am ersten Tag wurde ich eingearbeitet, lief erst mal mit einer Kollegin mit und schaute mir alles einmal an. Nach wenigen Stunden hatte ich die Routine der Patientenerfassung und Erstmaßnahmen verinnerlicht und durfte schon selbst Hand anlegen.
Bei jedem Patienten wird standardmäßig eine Venenverweilkanüle gelegt, Blut abgenommen, ein EKG geschrieben und die Vitalwerte Blutdruck, Temperatur, Puls und Sauerstoffsättigung gemessen.

Das Zugang legen und Blut abnehmen wurde mir ebenso gleich am Anfang gezeigt und auch das durfte ich bereits eigenständig am Patienten durchführen.
Im Laufe der drei Wochen durfte ich Gips und Verbände anlegen, bei fast jedem Patienten einen Zugang legen und Blut abnehmen, beim Kopfplatzwunden nähen assistieren, Infusionen und Medikamente vorbereiten und verabreichen und auch nicht kritische Patienten komplett alleine versorgen.

Meine zukünftigen Kollegen vom Rettungsdienst waren natürlich auch Stammgäste im Haus.
So genannte Chest Pain Patienten brachten sie uns am liebsten vorbei. Das sind Patienten mit Herzinfarkt-typischen Brustschmerzen.
Bei diesen Patienten werden drei verschiedene EKGs geschrieben, um das Herz von allen Seiten betrachten zu können. Sie werden außerdem gleich für die Untersuchung im Herzkatheterlabor vorbereitet.
Bei meinem ersten Chest Pain Patienten durfte ich mitgehen in den Herzkatheter und zusehen, wie dort dem Patienten ein Stent ins Gefäß implantiert wurde.
Das war ein sehr interessantes Erlebnis, da der Patient selbst zu jeder Zeit immer wissen wollte was gerade Sache war und die Ärzte im Herzkatheter somit auch wirklich jedes einzelne Detail erklärten.

An manchen Tagen ging es wirklich rund, da rannten sie uns wortwörtlich offene Türen ein.
Sowohl privat, als auch mit den Rettungsdienst kamen dann die, hauptsächlich internistischen Patienten in Scharen.
Während der eine Herzinfarkt Patient von der Notaufnahme in den Herzkatheter gefahren wurde, meldete sich bereits die nächste Rettung mit einem potentiellen Herzinfarkt Patienten an. Da wurde dann im Akkord der Schockraum und dessen Geräte gereinigt und wieder neu aufbereitet, um für den nächsten Patienten startklar zu sein.

Die Zusammenarbeit mit den Ärzten in der Notaufnahme war ebenso genial, wie mit allen anderen Kollegen.
Durch die Nähe zu den Ärzten konnte ich einige tolle Tipps und Tricks für die Praxis am RTW mitnehmen und auch an einigen Patienten in der Klinik gleich ausprobieren, wie etwa das Abhören der Lunge, oder des Bauches.
Meine Praxisanleiterin ist auch noch Rettungsassistentin, weshalb ich von ihr auch viel lernte und für die Zukunft mitnehmen konnte.

Zum Ende der drei Wochen durfte ich von der Triage (Ersteinschätzung), über internistisch bis hin zu chirurgisch alle Abteilungen kennen lernen und tatkräftig mitarbeiten und bekam dadurch auch ein breites Bild an Verletzungen und Erkrankungen zu sehen.
Es war eine sehr spannende Zeit in der Notaufnahme, von der ich mit Sicherheit in der Zukunft profitieren kann. Leider vergingen diese drei Wochen viel zu schnell.

Ihr wollt wissen wie ich meinen ersten Polytrauma Schockraum erlebt habe?
Dann einfach H I E R klicken. Viel Spaß!

Der Blick hinter die Kulissen

Nachdem Patienten in der Notaufnahme erstbehandelt wurden und sie länger im Krankenhaus bleiben müssen, kommen sie auf eine der vielzähligen Stationen im Klinikum dritter Orden.
Auf die Station 4 kommen alle Patienten, die aufgrund eines Unfallherganges Knochenbrüche, Gehirnerschütterungen o.ä. erleiden.

Der Arbeitsalltag auf der Pflegestation ist im Prinzip sehr viel Routine, die sich täglich wiederholt.
Die Frühschicht fängt mit einem Rundgang durch die Zimmer an. Die Patienten aufwecken und ihnen wenn nötig beim Waschen behilflich sein. Ebenso werden die Vitalwerte, wie Blutdruck, Puls und Körpertemperatur gemessen.
Kurz darauf kommt auch schon das Frühstück für die Patienten auf die Station, das von uns ausgeteilt wird. Sobald alle Patienten versorgt sind, darf natürlich das Frühstück mit allen Teammitgliedern auf der Station nicht fehlen. Tisch decken, Kaffee kochen und alle zusammentrommeln, dann wird gegen 09:00 Uhr erstmal Pause gemacht und ausgiebig gefrühstückt.

Der restliche Arbeitstag besteht daraus, die Patienten auf ihre (eventuell) anstehende OP vorzubereiten, ihre Verbände zu wechseln, sich auch das eine oder andere Mal ihre Sorgen und Probleme anzuhören und mit ein paar Worten beruhigend auf sie einzuwirken.
Einige plagt die Angst vor der bevorstehenden OP, andere wiederum haben kleine Schwierigkeiten mit dem Bettnachbarn. Es konnten allerdings alle "Probleme" aus der Welt geschafft werden, war es mit einem Gespräch, oder einem kurzen Spaziergang durch die Krankenhausgänge.
Eine weitere Aufgabe auf der Pflegestation war es, auf die Notfallklingel der Patienten zu reagieren.
Läutet ein Patient diese Klingel, leuchtet im Stationszimmer, wie auch vor dem jeweiligen Patientenzimmer eine rote Lampe auf. Meistens benötigten die Patienten Hilfe beim Aufstehen, oder auf den Weg zum Badezimmer. In vereinzelten Fällen verwechselte ein Patient das Krankenhaus auch mit einem Hotel, dann drückte dieser die Klingel wegen wirklich allem. Es ist zu kalt, zu heiß, das Wasser hat ja gar keine Kohlensäure und und und.
Sprich, das sind die Sorte von Menschen, die ich auch schon in meiner Zeit in Zürich kennen lernen durfte :-D
Um die Mittagszeit wird das Mittagessen für die Patienten auf die Zimmer gebracht und noch vor der Übergabe an die Kollegen der Spätschicht wieder abgeräumt.
In der zweiten Woche hatte ich Spätdienst, der sich nicht viel vom Frühdienst unterscheidet.
Die Patienten im Auge behalten, Medikamente verteilen, noch einmal Werte Messen und zu späterer Stunde das Abendessen austeilen.



So, nach all diesen vielen Worten ist nun endlich Schluss. Ich hoffe es war trotz der Länge für euch interessant zu lesen, somit seid ihr wieder up to date was meine Fortschritte in München angeht.
Am Montag geht es wieder in die Schule und danach endlich wieder auf den Rettungswagen, worauf ich mich schon sehr freue. Insbesondere, weil ich das in der Klinik erlernte praktische und theoretische Wissen dann draußen am Notfallpatienten anwenden kann.

Also bis dahin machts gut, man liest sich ;-)
Euer Patrick