7 Wochen Infusionsnadeln legen - 7 Wochen Patienten beatmen und intubieren - 7 Wochen Medikamente verabreichen - und mindestens 5 von 7 Wochen mit einem anderen Namen angesprochen worden...aber dazu später mehr.
Die Kollegen waren sowohl auf Seiten der Pflege, als auch der Ärzte wirklich nett und immer gewillt mir Neues beizubringen.
In den ersten Wochen konnte ich die Themen Beatmung - Beatmungsgerät einstellen - difficult Airwaymanagement - Medikamente und theoretische Grundlagen zur Physiologie der Atmung vertiefen. Immer anhand von realen Beispielen in Form der Patienten im OP.
Was tun, wenn sich der Patient nicht richtig beatmen lässt? Wenn der Sauerstoff bedrohlich niedrig wird und der Patient dabei auch noch mit dem Gesicht nach unten auf dem Tisch liegt...
Oder sich schon von Anfang an die Situation zur Intubation schwierig gestaltet...
Themen, die wir in der Schule nur trocken durchgenommen haben, aber in diesen 7 Wochen ein paar mal mehr als real wurden. Mit einigen guten Tipps und Tricks der Kollegen bin ich nun auch in der Notfallmedizin auf solche Probleme vorbereitet und weiß was zu tun ist.
Mit der Zeit durfte ich auch die richtige Technik des Beatmens erlernen, sowie das einlegen der Larynxmaske - eine Atemwegssicherung für einen Patienten, der in Vollnarkose beatmet wird.
Etwas später durfte ich dann auch die ersten Patienten selbstständig intubieren. So leicht das auch immer aussieht, so schwer ist es in der Realität, wenn man es zum erstem Mal macht.
Aber Übung macht den Meister und so arbeitete ich mich von den einfacheren zahnlosen Patienten zu den jungen Patienten hoch, die noch ein schönes, volles Gebiss hatten.
Auch das Legen einer Infusionsnadel will geübt sein - diese Möglichkeit hatte ich zu genüge. Von blau (ganz klein), über rose und grün (Standardgröße), bis hin zur orangenen (ganz groß) Nadel konnte ich somit in allen wichtigen Größen die Routine trainieren.
grün, grün, grün sind alle meine Kleider...
An dieser Stelle möchte ich eine Kollegin von Seiten der Ärzteschaft etwas näher hervorheben.
Sie blieb mir vor allem deswegen im Gedächtnis, weil sie mich immer Philip-Pascal nannte. Immer, außer in Stresssituationen, oder wenn der Chef- bzw. Oberarzt neben dran stand.
Aber das fiel mir teilweise gar nicht mehr auf.
Ich versuche sie euch mal zu beschreiben (in der Hoffnung, dass sie sich darin selbst wiedererkennt):
- Die, die mich nie bei meinem richtigen Namen nannte.
- Die, die alle Warnzeichen übersieht, bis es zu spät ist.
- Die, die ihr Studium in Österreich absolvierte (Ob man zu dieser Zeit den Doktortitel noch verschenkt hat? Wir werden es wohl nie erfahren).
- Die, deren Patienten sie fragen, ob man diese Anästhesistenausbildung nach der Schule machen kann.
- Die, die ohne Metamizol (= Novalgin) vermutlich komplett aufgeschmissen wäre.*
- Die, die ihr Gehalt quasi bereits direkt bei der Arbeit wieder ausgibt.
- Die, die ihre Macht schamlos ausnutzte und mich armen Praktikanten zu ihrem Vergnügen rumscheuchte.
- Die, deren Umgangston selbst Schwester Rabiata eine Gänsehaut bescheren würde.
- Oder um das alles kurz zusammenzufassen - der Anästhesiedrache oder auch das Anästhesiemonster.
*Nahezu jeder Patient bekam Novalgin von ihr. Sollte ich ihr dieses Medikament auch nur mal 2 Sekunden zu spät hingestellt haben, ging sie auf wie eine Furie und schimpfte wie ein Rohrspatz vor sich hin.
Aber trotz dieser...nennen wir es mal kleinen Schikanen...durfte ich von ihr einiges lernen und es wär ohne sie bestimmt nur halb so lustig gewesen. :-D
Nach der Zeit in der Anästhesie war ich anschließend noch 3 Wochen auf der Intensivstation.
Intubierte/Beatmete Patienten, Kardioversionen, Reanimation, Sepsis, COPD - all das waren Krankheitsbilder, die ich dort kennen lernen durfte.
Auch der Tod war leider das eine und andere Mal ein treuer Begleiter.
Neben ein paar Notfallmaßnahmen stand hier die allgemeine Pflege der Patienten und das Abwarten auf Besserung auf dem Programm.
Auch auf der Intensivstation wurde ich vom Ärzte- und Pflegeteam sehr schnell integriert und konnte viel mitnehmen.
Nun sind alle Klinikpraktikas erledigt und den Rest meiner Ausbildung verbringe ich hauptsächlich noch auf dem Rettungswagen, sowie einigen kleineren Schulblöcken.
Grüße an Freunde und Familie nach Österreich,
euer Patrick

