Samstag, 11. November 2017

Die Anstalt

Samstag, 28.10.2017 - ich sitze mit Andi im Zug, unser Reiseziel ist Wasserburg am Inn, Standort der Psychiatie Inn-Salzach-Klinikum.
Ca. 1 Stunde nach Abfahrt in München kamen wir in Wasserburg an. Der Himmel ist grau und es ist kalt.
Der Weg vom Bahnhof rauf zum Klinikum war unheimlich. Es waren keine Menschen zu sehen, vor uns eine Straße, die von kahlen Bäumen abgegrenzt ist und bei einem Haus hingen Seile vor der Haustüre.
In anbetracht dessen, dass wir gerade auf dem Weg in eine Irrenanstalt waren, war uns etwas mulmig zumute.
Einige gruselige Momente später erreichten wir doch noch unbeschadet das Klinikgelände und das Wohnheim.
Am nächsten Tag besuchten wir die Stadt Wasserburg, die noch sehr im mittelalterlichen Stil glänzt. Wir trotztem dem Regenwetter und besichtigten alle Sehenswerten Ecken dieser tollen Stadt.








Am 30.10. ging das Praktikum dann endlich los.
Ich durfte zwei Wochen auf der Suchtstation S2 mitarbeiten.
Die S2 ist eine Aufnahmestation für primär Suchtkranke Patienten, egal ob Alkohol oder sonstige Drogen. Dadurch, dass es eine Aufnahmestation ist, müssen allerdings auch alle anderen Patienten, die eine Psychiatrie aufsuchen aufgenommen werden.
Somit hatte ich in diesen zwei Wochen nicht nur mit Suchtkranken Patienten zu tun, sonder auch mit Krankheitsbildern, wie etwa akute Psychosen, Suizidgedanken, oder Schizophrenie. Diese Mischung verschiedener Patienten machte das Ganze noch spannender, da jeder von ihnen eine ganz individuelle Betreuung bedurfte.

Die Suchtkranken Patienten machen auf der S2 einen Alkohol- oder Drogenentzug, primär medikamentös, um den körperlichen Entzug voran zu treiben. Mithilfe von zwei Sozialpädagoginnen auf der Station, haben die Patienten die Möglichkeit auch abseits der Medikamente für die Zeit nach der Entlassung, gemeinsam mit den beiden Kolleginnen eine ambulante Selbsthilfegruppe, o.ä. zu finden. Weitere Betreuung benötigen die Suchtpatienten in der Regel nicht.

Bei Patienten mit Schizophrenie oder akuten Psychosen sieht das schon anders aus. Wenn sie wieder ein psychotischer Schub ereilt, sind sie in ihrer eigenen Welt gefangen.
Ich hatte während meines Praktikums unter anderem mit Patienten zu tun, die ihre toten Verwandten sahen, die der Patienten befahlen sich selbst zu bestrafen. Desweiteren hatten wir eine Patientin, die in jedem Menschen eine komplett andere "Figur" sah. In mir beispielsweise sah sie Lucifer.
Diese Patienten kamen regelmäßig auf das Pflegepersonal zu, um über ihre aktuelle Situation zu reden. Aber auch wir kamen auf die Patienten zu, wenn wir bemerkten, dass sie gerade wieder in eine andere Welt abdriften.

Manche Patienten machten sehr gute Vortschritte und konnten mit gutem Gewissen entlassen werden. Ander wiederum sah man immer und immer wieder - auch in der Psychiatrie gibt es Stammgäste.

Ich wurde während meiner Praktikumszeit voll ins Team integriert. Zu den Aufgaben gehörten unter anderem das Vorbereiten von Frühstück, Mittag- und Abendessen, die Patienten zur Ergo-, Sport-, Kunst- oder Entspannungstherapie zu begleiten, mit den Patienten spazieren gehen und eben die Betreuung von Patienten, wenn sie in ihre Krankheitsbilder zurückgefallen sind.
Da die Patienten auf der S2 alle Selbstständig sind, fällt der pflegerische Aspekt, wie Helfen bei der Körperpflege komplett weg.
Vom Alter her war ebenso wie bei den Krankheitsbildern sehr viel vertreten.
Der jüngste Patient war 19 Jahre, der älteste 76.

Das Klinikgelände ist im alten Pavillionstil errichtet worden und es stehen noch zum Großteil die alten Backsteinhäuser herum. Die roten Backsteingebäude in Verbindung mit dem Herbstnebel und der Kälte waren doch das ein und andere Mal etwas gruseig.






Insgesamt sechs Kollegen aus meiner Klasse absolvierten mit mir in diesem Klinikum das Praktikum.
Jeder war in einer anderen Abteilung eingesetzt.
Während unseres Aufenthaltes wohnten wir im Schwesternwohnheim, das sich am Gelände befindet.

Das Praktikum war wirklich sehr interessant. Im Rettungsdienst sind wir meistens froh, wenn wir solche Patienten aus dem RTW bekommen. Hier konnte ich nun mal sehen, wie es weitergeht, wenn sie aus unserem Auto ausgestiegen sind.
Außerdem habe ich vieles über Suchtkranke und psychotische Menschen erfahren, vor allem was hinter so einer Krankheit steckt.
Es waren zwei lehrreiche Wochen, die ich in guter Erinnerung behalten werde.

In diesem Sinne, mit lieben Grüßen aus München,
Patrick

Sonntag, 1. Oktober 2017

Wie die Zeit vergeht

Ja die Zeit vergeht rasend schnell und schon ist wieder ein Jahr rum - ein kurzer Rückblick.

Alleine in der Großstadt

Im Oktober letzten Jahres bin ich in München angekommen, alleine und ohne wirklichen Plan von der großen Stadt.
Gut, zugegeben ganz alleine war ich nicht, da mich mein Vater mit dem Auto chauffiert hat.
Nach und nach ging das mit dem Plan von der Stadt auch immer besser. Zumindest wusste ich, wie ich von meinem neuen Zuhause in die Schule, zur Arbeit und in die Innenstadt kommt - ein erster kleiner Erfolg.
Auch das gelegentliche Feiern gehen hilft bei der Ortskunde. Wenn man den einen oder anderen Biergarten besucht, lernt man die Stadt auch kennen. :- )

Neue Schule - neue Freunde

Der Einstieg in das Schulleben fiel mir gar nicht so schwer, wie anfangs gedacht. Ich kam relativ schnell wieder ins lernen rein, nur das viele handschriftliche Schreiben ist immer noch ein wenig ungewohnt (zwecks ehemaliger Laptopklasse und so) :-)
Es war viel zu lernen in diesem Jahr, worauf ich mich allerdings sowieso eingestellt hatte.
Die eine oder andere Prüfung ging auch nicht ganz so toll aus, aber im Großen und Ganzen bin sehr zufrieden mit meiner bisherigen Leistung - kann ruhig so weitergehen.

Mit der neuen Schule kamen natürlich auch neue Freunde, was mir angesichts dessen, dass ich bis dato keinen kannte in München, sehr gelegen kam.
Wie es halt so ist in einer Klasse mit 30 Leuten, versteht man sich mit einigen besser und mit anderen weniger.
Während der Schulzeit ist auch hin und wieder Zeit für ein Bier mit den Kollegen, was während der Praktikumszeit aufgrund der unterschieldichen Schichtzeiten eher weniger geht.

Rettung München Thalkirchen 71/1

Auf diesen Funkrufnamen hört der Rettungswagen (RTW), auf dem ich meine ersten Schritte im Münchner Rettungsdienst machen durfte.
Den Einstieg in den neuen Beruf hat man mir sehr erleichtert, indem die Wachleiterin der Rettungswache Thalkirchen bereits im voraus alle Mitarbeiter über mein Erscheinen informierte und von einigen Kollegen mit den Worten "Ah, du bist der Österreicher, oder?" begrüßt wurde. :-D

Mitterweile durfte ich auch andere Rettungswachen, wie etwa Hadern und Sendling kennen lernen.
Das Einsatzgebiet unterscheidet sich nicht wirklich, außer dass man in Sendling wirklich Innenstadtrettung und somit mehr Verlegungstransporte von Krankenhaus zu Krankenhaus fährt, als auf anderen Wachen.

Blaulicht, Adrenalin und Schweiß

Die Arbeit im Rettungsdienst macht wahnsinnig Spaß. Jeder Tag ist aufs neue eine Überraschung, man weiß am Anfang der Schicht nie, was auf einen zukommt während den nächsten 8 Stunden.
Von "Ich bin vor 3 Tagen gestürzt und jetzt tut's weh", über Herzinfarkte und Schlaganfälle, bis hin zur Reanimation habe ich mittlerweile vieles schon gesehen. Aber kein Einsatz ist wie der andere und jedes Mal wieder eine Herausforderung.

Der kleine Nervenkitzel, wenn man mit Blaulicht durch die Stadt düst und nicht weiß, was einen am Einsatzort erwartet. Das Adrenalin, das durch den Körper schießt, kurz bevor man vor dem Patienten steht und der Schweiß, der einem über den Rücken läuft, wenn man versucht ein Menschenleben zu retten.

All das macht den Job für mich so interessant. Wenn dann ein Einsatz, bei dem es wirklich um Minuten geht auch noch gut ausgeht für den Patienten, ist es umso schöner.


Leider kann man nicht immer helfen, oder das Versuchte reicht einfach nicht mehr aus.
Es gab in diesem Jahr auch belastende Einsätze, die mir nahe gegangen sind. Sei es, weil der Ausgang eines Einsatzes nicht so wie erhofft war, oder weil man einfach nicht helfen konnte.
Diese wurde allerdings im nachhinein im Team besprochen und konnten somit schlussendlich abgehakt werden.

Nicht nur die Praktikas auf dem Rettungswagen, auch das Klinikpraktikum in der Notaufnahme war sehr lehrreich. Ich konnte viel für die Praxis auf dem RTW mitnehmen und einige Techniken, wie i.v. Zugänge legen, EKG schreiben, Lunge auskultieren oder die Anamnese immer wieder üben.

Auf ins zweite Ausbildungsjahr

Es geht bereits weiter mit dem nächsten Schuljahr, lückenlos geht der Übergang in die zweite Klasse. Auch in diesem Jahr erwarten mich viele Prüfungen, spannende RTW- und Klinikpraktikas.
Auf in ein weiteres Jahr voller Spannung.


Nun aber genug der Worte.
In diesem Sinne verabschiede ich mich mit den besten Grüßen aus München.

Sonntag, 3. September 2017

Ein Job zwischen Leben und Tod

Es ist 14:00 Uhr an einem Mittwoch im August, die Sonne scheint und strahlt gut wärmend auf unsere Köpfe.
Ich versehe an diesem Tag meinen RTW Dienst auf einer Rettungswache im Münchner Süden.
Ich und meine Kollegen Tim und Franz sitzen vor der Wache auf den Steinstufen und gönnen uns gerade eine kleine Pasue.
Die Einsatzstiefel offen, die Hose etwas hochgekrempelt und ein wohlverdientes Eis in der Hand.
Wir waren bereits seit zwei Stunden im Dienst und hatten schon ordentlich Arbeit hinter uns, allerdings noch nichts wirklich nennenswertes.

Gerade als wir unser Eis aufgegessen hatten, gingen die Melder los und alarmierten uns zum nächsten Einsatz. Auf unserem Navi im RTW stand als Meldebild #Geburt. Status 3 und los ging die Fahrt.
Ich war leicht nervös auf der Anfahrt, da ich bis jetzt noch keine präklinische Geburt hatte und somit auch nicht wirklich wusste, was auf mich zukommen könnte.
Natürlich hatten wir in der Schule eine Crashkurs was Geburten betrifft, aber auch dort haben wir das Thema Geburt und Pädiatrie noch nicht näher durchgenommen.
Also ging ich während der Fahrt alles im Kopf durch was ich bis dato über Geburt wusste. Welche Fragen müssen der werdenden Mutter gestellt werden? was tun, wenn das Kind an Ort und Stelle zur Welt kommt? Was muss alles im Auto für den Transport vorbereitet werden? Was nehmen wir alles zur Patientin in die Wohnung mit hinein?
Wenige Minuten später waren wir am Einsatzort - ein Einfamilienhaus.

Mit Rucksack, EKG, Sauerstoff und Kinderkoffer unterm Arm ging es los, in spannender Erwartung, was hinter der Haustüre auf uns wartete.
An der Türe empfing uns schon der stolze werdende Vater, der uns zu seiner Frau begleitete, welche im Schlafzimmer auf dem Bett lag.
"Die Fruchtblase ist gerade geplatzt", entgegnete sie uns. Sie hatte allerdings noch keine Wehen und die Schwangerschaft verlief bis jetzt auch ohne Komplikationen.

Alles klar - Franz und ich bereiteten alles für den Transport vor, während Tim bei der Patientin blieb.
Mit dem Tragestuhl aus dem engen Schlafzimmer, vor der Haustüre auf die Trage umlagern und dann ab in die Klinik. So war der Plan, der auch reibungslos umgesetzt werden konnte.

Wenig später kamen wir auch schon am Kreissaal an und übergaben die glückliche Patientin inklusive dem (mittlerweile etwas nervösen) Mann in die Hände des Klinikpersonals.
Und ich muss immer noch auf meine erste präklinische Geburt warten und werde weiterhin angespannt im RTW sitzen, wenn es wieder heißt Meldebild #Geburt.

Nach diesem Einsatz dauerte es auch nicht lange, bis uns die Leitstelle erneut alarmierte.
Diesesmal war das Meldebild #Atmung vitale Bedrohung, was soviel heißt, wie der Patient hat eine akute Atemstörung aus welchen Gründen auch immer.

Dieses Meldebild ist mir durchauch geläufiger als eine Geburt. Auf der Anfahrt bereitet man sich dennoch innerlich darauf vor, was einen an der Einsatzstelle erwarten kann, obwohl es dann meistens sowieso anders kommt - wie auch bei diessem Einsatz.

An der Einsatzstelle angekommen erwartete uns schon eine Dame an der Einfahrt, die Tim gleich an der Hand packte und in das Haus zerrte.
Franz und ich schnappten uns Rucksack und EKG und folgten ihnen.
Im Wohnzimmer lag unser Patient, ein älterer Mann mit blasser Hautfarbe, in seinem Wohnsessel. Ich sprach den Patienten an und rüttelte ihn am Arm - keine Reaktion - Atemkontrolle und Pulskontrolle - keine Atmung, kein Puls.
Sofort legten wir den Patienten auf den Boden und begannen mit der Reanimation.
Franz führte die Herzdruckmassage durch, während ich den Defibrillator und den Beatmungsbeutel vorbereitete.

Kurz nach Beginn unserer Maßnahmen traf auch schon das HLF der BF München ein, die uns unterstützten. Franz wurde von einem Feuerwehrmann abgelöst, sodass er sich um einen intravenösen Zugang kümmern konnte. Tim bereitete eine Infusion und die Medikamente vor. Da ein Kollege der Feuerwehr auch Rettungsassistent war, übernahm dieser die Position am Kopf des Patienten. Diesem durfte ich alle Materialien für eine endotracheale Intubation anreichen.
Allerdings kam es gar nicht soweit, dass wir den Patienten intubierten. Denn als der Notarzt eintraf, wurde die Reanimation durch diesen abgebrochen.
Ausschlaggebend für diese Entscheidung war zum einen eine Patientenverfügung, die Masse an Vorerkrankungen, sowie das Alter des Patienten, die unklare Zeit des Herz-Kreislauf-Stillstandes und der aktuelle Herzrhythmus, der leider nur noch eine "Nulllinie" war.

Die Kollegen der Feuerwehr räumten danach sofort wieder das Feld, um wieder einsatzklar zu sein.
Der Notarzt schrieb sein Protokoll, redete noch etwas mit den Angehörigen und verließ nach getaner Arbeit die EInsatzstelle auch wieder.
Wir als Rettungsdienst hatten die ehrenvolle Aufgabe das Eintreffen der Polizei abzuwarten, die bei einem Todesfall standartmäßig mit hinzu kommt.
Währenddessen kümmerten wir uns natürlich weiterhin um die Angehörigen, setzten uns zusammen mit ihnen an einen Tisch und lauschten den Geschichten über den Verstorbenen bis die Polizei auftauchte.
Nachdem wir dieser alle relevanten Daten übergeben hatten, entfernten auch wir uns von der Einsatzstelle und fuhren zurück auf die Rettungswache.


Eigentlich sind das für den Rettungsdienst zwei normale Einsätze, wie sie Tag für Tag vorkommen. Was mich allerdings faszinierte, war der Fakt, dass wir zuerst einen Einsatz hatten, wo ein neues Leben das Licht der Welt erblickte und danach einen, wo ein Leben erloschen war.
Purer Zufall, oder hatte der ältere Mann für ein neues, junges Leben Platz machen müssen? Ob man an einen höheren Plan diesbezüglich glaubt ist natürlich an dieser Stelle jedem selbst überlassen.


Mit den besten Grüßen aus München,
Patrick

Anmerkung: Alle genannten Namen und Ortsangaben sind aus Datenschutzgründen frei erfunden.

Sonntag, 2. April 2017

...du hast doch schon eine tolle Ausbildung, warum jetzt eine neue anfangen?

Machmal werde ich gefragt, warum ich diese Ausbildung und diesen Job überhaupt mache. Auch, weil ich bereits einen Beruf erlernt habe, darin gearbeitet und gar nicht mal schlecht verdient habe.
Ich möchte euch kurz einen Einblick in meine Beweggründe geben, warum ich heute hier bin wo ich bin.

Die Faszination Rettungsdienst nahm ihren Lauf im Juli 2014, als ich meinen Zivildienst beim ASBÖ, Gruppe Linz antrat.
Zugegeben, ich habe mich damals aus weitaus anderen Gründen für die Rettung entschieden, als meine heutigen Gründe, diesen Beruf auszuüben.
Da das Bundesheer für mich persönlich nicht in Frage kam, ich bereits Freunde beim ASB Linz hatte und auch gleich am Anfang der Rettungssanitäterausbildung die Zusatzausbildung zum Einsatzlenker machen konnte, gepaart mit dem Adrenalin evtl. doch einmal ein Menschenleben ernsthaft retten zu können, war die Entscheidung schnell getroffen.

Während diesen 9 Monaten Zivildienst habe ich den Rettungsdienst lieben gelernt. Neben einigen spannenden Einsatzerfahrungen, habe ich auch viele neue Freunde gewonnen.
Der kammeradschaftliche Zusammenhalt, den ich vorher bereits aus der Stadtkapelle kannte, wurde auch beim ASB Linz Tag für Tag gelebt.
Nicht umsonst bin ich seit dem Ende meiner Zivildienstzeit bis heute ehrenamtlich als Rettungssanitäter im Verein tätig.

Mit Freunden gemeinsam eine schöne Zeit verbringen und dabei auch noch etwas nützliches für die Gesellschaft tun, das gibt es nicht überall.
Auch bei gemeinsamen Fortbildungsveranstaltungen lässt sich der Ernst des Lebens mit Spiel und Spaß sehr gut verbinden.

Allerdings kam irgendwann der Punkt, wo ich mehr wollte, als nur in meiner Freizeit Patienten zu betreuen und bei kritischen Patienten praktisch immer auf die Hilfe des Notarztes angewiesen zu sein.
Nach reichlicher Überlegung kam ich zu dem Entschluss, dass ich den Rettungsdienst zu meinem Hauptberuf machen möchte und das so kompetent wie nur möglich. Deshalb fiel meine Wahl dann auch relativ schnell auf Deutschland.

Anfangs wurde ich, gerade von engen Freunden und Familie, oft gefragt, warum ich denn nicht den Beruf des Krankenpflegers erlernen möchte. Immerhin seien doch die Aufgaben im Krankenhaus/Notaufnahme doch quasi gleich, wie die im Rettungsdienst. [Ich glaube ja bis heute, dass das einfach nur eine Taktik von ihnen war mich davon abzuhalten ins Ausland zu gehen ;-)]
Nach meinem Klinikpraktikum in der Pflege und der Notaufnahme kann ich nun mit 100 %iger Sicherheit sagen: Nein dem ist definitiv nicht so. :-D

Es ist dieser gewisse Nervenkitzel, die Spannung und das Adrenalin, das diesen Beruf so besonders machen. Am Anfang des Tages nie zu wissen was kommt. Und wenn man zu einem Notfallpatienten fährt, diesen mit dem nötigen medizinischen Fachwissen und dementsprechender Medizintechnik zu versorgen. Genau das ist für mich das, was diesen Job ausmacht.

Nun zu der Frage warum Rettungsdienst und nicht weiterhin Gastronomie/Hotellerie, beispielsweise in der Schweiz.
Diese Frage habe ich auch schon mehr als ein Mal gehört, vor allem wenn ich offen lege, was ich damals in Zürich verdient habe.
Rettungsdienst und Gastronomie habe sehr viele parallelen: Schichtarbeit, Überstunden, geringe Entlohnung, für das was man leistet, Feiertag ist ein Fremdwort, die Arbeit mit Menschen, etc...

Ja es stimmt, unterm Schnitt kommt finanziell in der Gastronomie mehr raus, als im Rettungsdienst.
Aber da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie es ist hilflos und auf die professionelle Hilfe anderer angewiesen zu sein, habe ich es mir persönlich zur Aufgabe gemacht einer dieser professionellen Helfer in medizinischen Notsituationen zu werden.

Ich bin stolz darauf, was ich bis jetzt in meiner Zeit beim ASB Linz erreicht habe, über die dort neu gewonnen Freunde und die gemeinsamen Stunden mit ihnen.
Nun bin ich hier in München und habe noch 2,5 Jahre Ausbildung vor mir und das mit einem klaren Ziel vor Augen:
Danach zu dem Teil der Gesellschaft gehören zu dürfen, der andere in Notsituationen schnell und professionell helfen kann, dabei neue Freunde gewinnt und Spaß an der Arbeit hat.

Und sollte da jetzt irgendetwas falsch rübergekommen sein...ich weiß sehrwohl, dass es auch viele sinnbefreite Einsätze gibt, bei denen man am Patienten nichts macht und an den Hausarzt weiterverweist. Aber wenn es dann doch einmal hart auf hart kommt, weiß ich wieder warum ich das alles mache.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen morgen einen schönen Wochenstart und bis bald,
Patrick

Samstag, 18. März 2017

Schockraumalarm

Ein Anruf von der ILS (Integrierten Leitstelle) München: Vorankündigung Polytrauma, Verkehrsunfall, Eintreffzeit des Patienten mit Notarztbegleitung in ca. 20 Minuten.

Es ist gegen 13:00 Uhr, als die Hebel für die Schockraumalarmierung in Gang gesetzt werden.
Songraphiegerät reinschieben, Röntgenschürze anziehen, Blutabnahmeset und EKG vorbereiten. Nach und nach trudeln die Kollegen aus den verschiedenen Fachbereichen Anästhesie, Allgemein- und Unfallchirurgie, sowie Radiologie ein.

13:15 Nun wartet alles auf den Patienten. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen und alle Geräte (Narkosegerät, Motorspritzen, Defibrillator...) zum wiederholten Mal auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft. Ich stelle mich ans Fußende der Liege und nehme mir die Kleiderschere aus der Halterung. Meine Aufgabe wird es sein dem Patienten die Kleidung aufzuschneiden und zu entfernen, sodass die Ärzte freien Zugang auf den gesamten Körper haben, um eventuelle Verletzungen von oben bis unten festzustellen.

13:20 Die Türe geht auf und der Rettungsdienst samt Notarzt und Patient betreten den Schockraum. Der Notarzt übergibt dem Traumaleader (Oberarzt der Unfallchirurgie) mit den wichtigsten Infos in knappen Worten den Patienten.
Der Patient ist soweit kreislaufstabil, hat ein Schädel Hirn Trauma, Schmerzen im Bereich des linken Brustkorbes, sowie Schmerzen und eine Wunde am linken Unterschenkel.
Innerhalb von 5 Minuten nach Eintreffen ist der Patient von der Trage des Rettungsdienstes auf unsere Liege umgelagert, die Allgemeinchirurgen untersuchen mit dem Sonographiegerät den Bauch des Patienten, die Unfallchirurgen übernehmen den Bodycheck und eine weitere Ärztin hört die Lunge ab, um sicherzustellen, dass diese nicht verletzt ist und der Patient gut atmen kann.
Währenddessen schreite ich zur Tat, ziehe ihm die Schuhe aus, schneide die Jeans vorsichtig auf und arbeite mich hoch bis zum T-Shirt, dass ich zuletzt ebenfalls runter schneide.

13:35 Der Patient ist soweit nicht lebensbedrohlich verletzt und stabil genug, um zum CT weiterzufahren. Die Traumaspirale ist im vollen Gange.
Mit Überwachungs-Monitoring schieben wir den Patienten zu den Kollegen vom Röntgen rüber. Ich helfe noch beim Umlagern mit und verabschiede mich einstweilen vom Patienten, den ich später in der Notaufnahme sowieso wiedersehen werde.

Etwas später stellte sich heraus, dass der Unterschenkel gebrochen ist, aber der Patient ansonsten keine weiteren Verletzungen hat. Er wird einige Tage in der Klinik verbringen müssen, bis sich sein Zustand gänzlich bessert.

Das erste Klinikpraktikum

Sonntag, der 12.02.2017. Ich sitze in meinem Zimmer, schreibe den Anfang dieses Blogeintrages und meine Gedanken kreisen momentan nur um eins: Das anstehende Klinikpraktikum.
Werden die Kollegen nett sein? schaffe ich es den Ausbildungsordner fristgerecht fertig zu bekommen? wird schon viel von mir erwartet? darf ich schon vieles machen, oder bin ich anfangs einfach nur der Mitläufer?
Fragen über Fragen, die sich in ein paar Stunden alle klären werden...und zwar hoffentlich zum Positiven.

Einmal auf der anderen Seite 

Insgesamt drei Wochen war ich ein Teil des Teams in der Notaufnahme des Klinikums dritter Orden.
Am ersten Tag wurde ich eingearbeitet, lief erst mal mit einer Kollegin mit und schaute mir alles einmal an. Nach wenigen Stunden hatte ich die Routine der Patientenerfassung und Erstmaßnahmen verinnerlicht und durfte schon selbst Hand anlegen.
Bei jedem Patienten wird standardmäßig eine Venenverweilkanüle gelegt, Blut abgenommen, ein EKG geschrieben und die Vitalwerte Blutdruck, Temperatur, Puls und Sauerstoffsättigung gemessen.

Das Zugang legen und Blut abnehmen wurde mir ebenso gleich am Anfang gezeigt und auch das durfte ich bereits eigenständig am Patienten durchführen.
Im Laufe der drei Wochen durfte ich Gips und Verbände anlegen, bei fast jedem Patienten einen Zugang legen und Blut abnehmen, beim Kopfplatzwunden nähen assistieren, Infusionen und Medikamente vorbereiten und verabreichen und auch nicht kritische Patienten komplett alleine versorgen.

Meine zukünftigen Kollegen vom Rettungsdienst waren natürlich auch Stammgäste im Haus.
So genannte Chest Pain Patienten brachten sie uns am liebsten vorbei. Das sind Patienten mit Herzinfarkt-typischen Brustschmerzen.
Bei diesen Patienten werden drei verschiedene EKGs geschrieben, um das Herz von allen Seiten betrachten zu können. Sie werden außerdem gleich für die Untersuchung im Herzkatheterlabor vorbereitet.
Bei meinem ersten Chest Pain Patienten durfte ich mitgehen in den Herzkatheter und zusehen, wie dort dem Patienten ein Stent ins Gefäß implantiert wurde.
Das war ein sehr interessantes Erlebnis, da der Patient selbst zu jeder Zeit immer wissen wollte was gerade Sache war und die Ärzte im Herzkatheter somit auch wirklich jedes einzelne Detail erklärten.

An manchen Tagen ging es wirklich rund, da rannten sie uns wortwörtlich offene Türen ein.
Sowohl privat, als auch mit den Rettungsdienst kamen dann die, hauptsächlich internistischen Patienten in Scharen.
Während der eine Herzinfarkt Patient von der Notaufnahme in den Herzkatheter gefahren wurde, meldete sich bereits die nächste Rettung mit einem potentiellen Herzinfarkt Patienten an. Da wurde dann im Akkord der Schockraum und dessen Geräte gereinigt und wieder neu aufbereitet, um für den nächsten Patienten startklar zu sein.

Die Zusammenarbeit mit den Ärzten in der Notaufnahme war ebenso genial, wie mit allen anderen Kollegen.
Durch die Nähe zu den Ärzten konnte ich einige tolle Tipps und Tricks für die Praxis am RTW mitnehmen und auch an einigen Patienten in der Klinik gleich ausprobieren, wie etwa das Abhören der Lunge, oder des Bauches.
Meine Praxisanleiterin ist auch noch Rettungsassistentin, weshalb ich von ihr auch viel lernte und für die Zukunft mitnehmen konnte.

Zum Ende der drei Wochen durfte ich von der Triage (Ersteinschätzung), über internistisch bis hin zu chirurgisch alle Abteilungen kennen lernen und tatkräftig mitarbeiten und bekam dadurch auch ein breites Bild an Verletzungen und Erkrankungen zu sehen.
Es war eine sehr spannende Zeit in der Notaufnahme, von der ich mit Sicherheit in der Zukunft profitieren kann. Leider vergingen diese drei Wochen viel zu schnell.

Ihr wollt wissen wie ich meinen ersten Polytrauma Schockraum erlebt habe?
Dann einfach H I E R klicken. Viel Spaß!

Der Blick hinter die Kulissen

Nachdem Patienten in der Notaufnahme erstbehandelt wurden und sie länger im Krankenhaus bleiben müssen, kommen sie auf eine der vielzähligen Stationen im Klinikum dritter Orden.
Auf die Station 4 kommen alle Patienten, die aufgrund eines Unfallherganges Knochenbrüche, Gehirnerschütterungen o.ä. erleiden.

Der Arbeitsalltag auf der Pflegestation ist im Prinzip sehr viel Routine, die sich täglich wiederholt.
Die Frühschicht fängt mit einem Rundgang durch die Zimmer an. Die Patienten aufwecken und ihnen wenn nötig beim Waschen behilflich sein. Ebenso werden die Vitalwerte, wie Blutdruck, Puls und Körpertemperatur gemessen.
Kurz darauf kommt auch schon das Frühstück für die Patienten auf die Station, das von uns ausgeteilt wird. Sobald alle Patienten versorgt sind, darf natürlich das Frühstück mit allen Teammitgliedern auf der Station nicht fehlen. Tisch decken, Kaffee kochen und alle zusammentrommeln, dann wird gegen 09:00 Uhr erstmal Pause gemacht und ausgiebig gefrühstückt.

Der restliche Arbeitstag besteht daraus, die Patienten auf ihre (eventuell) anstehende OP vorzubereiten, ihre Verbände zu wechseln, sich auch das eine oder andere Mal ihre Sorgen und Probleme anzuhören und mit ein paar Worten beruhigend auf sie einzuwirken.
Einige plagt die Angst vor der bevorstehenden OP, andere wiederum haben kleine Schwierigkeiten mit dem Bettnachbarn. Es konnten allerdings alle "Probleme" aus der Welt geschafft werden, war es mit einem Gespräch, oder einem kurzen Spaziergang durch die Krankenhausgänge.
Eine weitere Aufgabe auf der Pflegestation war es, auf die Notfallklingel der Patienten zu reagieren.
Läutet ein Patient diese Klingel, leuchtet im Stationszimmer, wie auch vor dem jeweiligen Patientenzimmer eine rote Lampe auf. Meistens benötigten die Patienten Hilfe beim Aufstehen, oder auf den Weg zum Badezimmer. In vereinzelten Fällen verwechselte ein Patient das Krankenhaus auch mit einem Hotel, dann drückte dieser die Klingel wegen wirklich allem. Es ist zu kalt, zu heiß, das Wasser hat ja gar keine Kohlensäure und und und.
Sprich, das sind die Sorte von Menschen, die ich auch schon in meiner Zeit in Zürich kennen lernen durfte :-D
Um die Mittagszeit wird das Mittagessen für die Patienten auf die Zimmer gebracht und noch vor der Übergabe an die Kollegen der Spätschicht wieder abgeräumt.
In der zweiten Woche hatte ich Spätdienst, der sich nicht viel vom Frühdienst unterscheidet.
Die Patienten im Auge behalten, Medikamente verteilen, noch einmal Werte Messen und zu späterer Stunde das Abendessen austeilen.



So, nach all diesen vielen Worten ist nun endlich Schluss. Ich hoffe es war trotz der Länge für euch interessant zu lesen, somit seid ihr wieder up to date was meine Fortschritte in München angeht.
Am Montag geht es wieder in die Schule und danach endlich wieder auf den Rettungswagen, worauf ich mich schon sehr freue. Insbesondere, weil ich das in der Klinik erlernte praktische und theoretische Wissen dann draußen am Notfallpatienten anwenden kann.

Also bis dahin machts gut, man liest sich ;-)
Euer Patrick

Donnerstag, 12. Januar 2017

Der erste Praxisblock

Hier bin ich wieder mit ein paar Details zum ersten Praxisblock, der unter dem Stern des RTW (Rettungswagen) - oft auch liebevoll Sanka genannt - steht.

Montag, 14.11. und Dienstag, 15.11. erhielten wir unsere Pflichteinweisungen zu den Themen Hygiene, Arbeitsschutz und die Geräteeinweisungen auf der Hauptwache in der Karl-Schmid-Straße.
Auch kurze praktische Übungen mit den neuen Geräten standen auf der Tagesordnung, ebenso wie ein kurzer Rundgang in unserem zukünftigen Arbeitsgerät, dem RTW.

Die ersten RTW Schichten

Am Mittwoch, den 16. November war es endlich soweit - die erste RTW Schicht stand ins Haus.
Für die ersten Wochen fuhr ich auf der Rettungswache Thakirchen, Funkrufname: Rettung München Thalkirchen 71/1.

Nach einem kurzen Kennenlernen unter den neuen Kollegen und einer Einweisung in den Ablauf der Rettungswache ging es schon runter zum Autochecken.
Es sollte nicht lange dauern, bis wir das erste Mal alarmiert wurden - zu einem Schlaganfall.

Gleich die ersten Einsätze waren sehr interessant und lehrreich. Von Schlaganfall über Wohnungsöffnung mit der Feuerwehr, bis hin zu einem Kind mit Atemnot. Es war wirklich ein breites Spektrum an Krankheitsbildern und Maßnahmen, die ich zum Teil auch schon selbstständig durchführen durfte.
Am tollsten fand ich persönlich den letzten Einsatz dieser Schicht. Wir wurden gemeinsam mit dem NEF (Notarzteinsatzfahrzeug) zu einem gemeldeten Herzinfarkt alarmiert, was sich im Verlauf zu eine akuten Asthmaanfall herausstellte.
Dieser Einsatz war insofern sehr interessant, weil ich die verschiedenen Maßnahmen, wie etwa EKG kleben, Infusion vorbereiten und sogar Medikamente vorbereiten und verabreichen unter Anleitung des Notarztes machen durfte. Es wurde mir jede einzelne Maßnahme, die ich noch nicht kannte sehr genau erklärt. Das NEF Team, sowie mein RTW Team haben sehr viel Ruhe in die Situation gebracht, auch um den aufgeregten Patienten etwas zu beruhigen und ihn so auch etwas zu stabilisieren.
Nach den ganznen Maßnahmen auf dem Weg zum Auto und im Auto auf dem Weg zum Krankenhaus erklärte mir der Notarzt sehr viel zum aktuellen Krankheitsbild des Patienten und zu den Therapiemaßnahmen, sowie den Folgen.
Ich hatte das Gefühl wirklich gut aufgehoben und nicht nur das fünfte Rad am Wagen zu sein.

Die 3. Schicht fuhr ich mit einem Kollegen, der im 5. Semester Medzin studiert und an der Sanitätsakademie der Bundeswehr Einsatzsanitäter ausbildet. Ihr könnt euch nun glaube ich schon denken, dass diese Schicht ebenfalls sehr lehrreich war.
Ich durfte alle Patientenanamnesen selbstständig durchführen, immer meinen Kollegen als Rückendeckung, sollte ich doch einmal nicht mehr weiter wissen.
Aufgrund der fundierten Fachkenntnisse meiner Kollegen lernte ich auch in dieser Schicht wieder ein paar neue Dinge dazu. Einige konnte ich in der Praxis an unseren Patienten anwenden, andere wiederum besprachen wir in der Theorie.

Dann kamen endlich die Schichten, in denen ich mit meiner Praxisanleiterin fahren durfte. Sie ist gleichzeitig die Wachleiterin in Thalkirchen und arbeitet nebenbei als Krankenschwester in dem Krankenhaus, in dem unsere Wache beherbergt ist.

Meine erste Reanimation in München ließ nicht lange auf sich warten und bei dieser fuhr ich ebenso mit meiner Praxisanleiterin.
Kurz zur Erklärung: Bei dem Meldebild "Bewusstlos" wird in München-Stadt gleichzitig zum RTW und NEF ein HLF (Hilfeleistungslöschfahrzeug) der Berusfeuerwehr München entsandt. Dieses HLF bringt neben mehreren Mann Manpower auch einen Lucas zur Einsatzstelle. Der Lucas ist eine automatische Reanimationsmaschine, die diejenige Person ablöst, die die Herzdruckmassage am Patienten durchführt. Somit eine Erleichterung für das Rettungsdienstpersonal und wieder ein Mann mehr für alle weiteren anfallenden Sachen, wie Infusionen und Medikamente vorbereiten, Atemwegssicherung, Transportvorbereitung, etc..
Dieser Einsatz lief unter den vorhandenen Umständen (wenig Platz, da sich alles im engen Treppenhaus abspielte) relativ gut. Nachdem ich nach kurzer Zeit vom Drücken durch den Lucas erlöst wurde, durfte ich meinen Kollegen bei der Atemwegssicherung zur Hand gehen, das benötigte Material vorbereiten und dementsprechend anreichen. Nachdem der Patient soweit von uns versorgt war, entschied sich der Notarzt für einen raschen Transport in die Klinik.
Hier war die zusätzliche Manpower der Feuerwehrleute wieder von Vorteil - Patienten tragen, Rucksack, EKG, Sauerstoff, und und und - mit dieser vielen Mannes(und natürlich Frauen-)kraft alles nur hab so wild.
Unter laufender Reanimation fuhren wir schließlich den Schockraum in der nächsttgelegenen Klinik an. Hinter unserem RTW fuhren natürlich das NEF und auch das HLF mit, da die ihren Lucas nach dem Einsatz in der Klinik wieder einpacken mussten.
Als wir den Patienten dem Ärzteteam übergeben haben und wir wieder zum Auto zurückgingen, bot sich mir ein doch fürs erste etwas ungewohntes Bild in der Anfahrt zur Notaufnahme - neben unserem RTW stand nun das in der Zeit eingetroffene NEF und das HLF der Feuerwehr - sieht man außerhalb von München auch nicht, dass ein Feuerwehrauto, als wäre es ganz normal (was es hier ja auch wirklich ist) neben den üblichen Fahrzeugen in der Anfahrtszone der Notaufnahme steht.

Weitere Einsätze waren unter anderem Herzinfarkt, Atemnot, und ganz viel Kollaps.
In der Vorweihnachtszeit rollte die Grippewelle über München und dessen Bewohner. Diese war mitunter ein Grund, weswegen wir sehr viele Fahrten mit dem Medebild "Kollaps" hatten. Hatte der Patient wirklich nur die typischen Grippesymptome wurde ihm geraten sich auszuruhen, den Hausarzt aufzusuchen und in einigen Fällen wurde von uns auch der KVB (=Ärztlicher Bereitschaftsdienst) verständigt, damit dieser einen Hausbesuch macht.
Wollte der Patient trotzdem mit in die Klinik, oder hatte er es aus unserer Sicht auch wirklich nötig, wurde er selbstverständlich auch dorthin gebracht.

Eine weitere Besonderheit die München zu bieten hat ist das Kinder-NEF. Auf diesem Notarztbesetztem Einsatzmittel sitzt ein Kinderarzt, der bei bestimmten Meldebildern, wie etwa Kind mit Atemnot oder Kind Bewusstlos gleichzeitig mit dem normalen NEF disponiert wird.
Die Kollegen vom Kinder-NEF haben auch noch spezielles, kleiners Material mit dabei für die Behandlung von den kleinen Patienten. Auch fällt es ihnen teilweise leichter mit den kleinen Patienten umzugehen und das Vertrauen zu ihnen aufzubauen. Kein Wunder, wenn man beruflich jeden Tag mit Kindern arbeitet.

Ich durfte bis jetzt die Rettungswachen Thalkirchen und Hansapark (Sendling) kenne lernen. Auf beiden Wachen bin ich mit wirklich netten Kollegen gefahren und habe einiges gelernt.
Thalkirchen ist wie eine kleine Familie. Die Wache befindet sich in dem dort gelegenen chirurgischen Krankenhaus inklusive einem NEF Stützpunkt. Somit kennen die Kollegen, die bereits einige Jahre dort fahren auch schon die Ärzte der Klinik und die, die regelmäßig auch als Notarzt fahren. Das macht das Arbeiten am Einsatzort gleich viel entspannter, wenn man sich untereinander kennt und weiß wie sein gegenüber arbeitet.
Den Zusammenhalt der Mannschaften in Thalkirchen kann man ungefähr mit denen der Dienststelle Muldenstraße (ehem. Wienerstraße) beim ASB Linz vergleichen. Dort geht es auch sehr familiär zu und jeder ist sehr hilfsbereit.

Auf dem RTW Rettung München Sendling 71/3 hatte ich meine bis jetzt zweite und letzte Reanimation. Im Einzugsgebiet der Rettungswache Hansapark ist unter anderem der Münchner Hauptbahnhof und somit auch einige betrunkene Patienten für uns.
Der RTW Sendling 71/3 ist einer der neuersten Modelle, die 2016 in den Dienst gestellt wurden. Die größte Neuerung ist das Presslufthorn, das neben dem normalen Elektrohorn (das man üblicherweise hört) Platz fand. In manchen Situationen ist es wirklich von Vorteil, auch wenn man teilweise sein eigenes Wort im Auto nicht mehr versteht :-D

Und so sieht ein Bayern Retter aus:

  


  

Mittlerweile hat auch in München der Winter einzug gehalten. Schnee und Minusgrade machen das Arbeiten nicht wirklich einfacher.
Die härteste Schicht war definitiv diejenige, als es bis zu minus 10 °C hatte.
Bei diesen eisigen Temperaturen muss man wirklich bei jedem Schritt aufpassen, dass man nicht plötzlich selbst samt Equipment neben dem Patienten liegt. Auch das navigieren der Trage wird im Schnee und auf Eis zur Herausforderung. Bis jetzt hat das alles aber zum Glück gut geklappt.
Dem Wetter geschuldet sieht unser Arbeitsgerät, der RTW, nach jeder Schicht aus, als wäre man mit ihm durch ein Schlammloch gefahren. Dann heißt es putzen. Zumindest den Innenraum regelmäßig nach Schichtende, da dieser sonst zur gefährlichen Rutschpartie wird.
Eine Außenreinigung des Autos nach jeder Schicht, oder jeden Tag hat wenig Sinn, da es nach den nächsten paar Fahrten sowieso wieder genauso schmutzig ist.
Wenn man allerdings die Lichter und die Beklebung am Auto dann nicht mehr erkennen kann, ist es Zeit auch mal außen die Bürste anzusetzten.


Winter im Münchner Rettungsdienst - die Nachfolgeschicht hat das Auto übrigens wieder gänzlich sauber bekommen

Weihnachtsfeiern

Am 25. November stand die Weihnachtsfeier der Rettungswache Thalkirchen auf dem Plan.
Wir wurden von unserer Wachleiterin (meine Praxisanleiterin) in ein nettes griechisches Restaurant eingeladen.
In kleiner, aber feiner Runde aßen und tranken wir bis in die späteren Abendstunden und nach einem kleinen Tänzchen zu den Klängen der griechischen Band ging es dann wieder nach Hause.
Ach ja, die nette Aufmerksamkeit darf ich auch nicht vergessen zu erwähnen. Als Weihnachtsgeschenk erhieten wir alle eine peronalisierte Tasse mit unserem jeweiligen Namen, den Namen der Rettungswache, den Funkrufnamen des RTWs und zwei Bildern. Über diese Geste habe ich mich besonders gefreut, da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine ganzen zwei Wochen im RTW Praktikum war und trotzdem in diese kleine Familie bereits aufgenommen wurde.














Eine Woche später wurden wir zur nächsten Weihnachtsferie geladen. Diesmal zur Firmenweihnachtsfeier der Aicher Ambulanz.
Diese fand in einem Hotel etwas außerhalb vom Zentrum statt.
Für uns Azubis war das ein Pflichttermin, um die ganzen anderen Kollegen und das Chefpersonal einmal kennen zu lernen. Was anfangs wie eine gezwungene Pflichtveranstaltung klang, entpuppte sich jedoch zu einem wirklich geselligen Abend.
Gestartet wurde mit einem Punsch/Glühwein Empfang, danach durften wir alle im schön gedeckten Festsaal Platz nehmen. Nach ein paar Worten des Chefs wurde dann auch sehr rasch das riesige Buffet eröffnet. Ab dann waren die offiziellen Reden so gut wie vorbei und wir genossen das Ambiente und vor allem das Desserbuffet noch bis in die Morgenstunden.

Heimaturlaub

In der Weihnachtszeit von 24.12.-01.01. fuhr ich wieder einmal nach Hause nach Steyregg.
Am 24.12. feierten wir am Abend daheim Weihnachten und am darauffolgenden Tag wurde, wie jedes Jahr, die ganze Verwandtschaft abgeklappert.
Zu Mittag waren wir bei der Familie mütterlicherseits zum Essen eingeladen. Meine Tante zauberte einen traumhaften Truthahn mit Füllung und wahnsinns Beilagen. Zugegeben wir hatten im vorhinein so unsere Zweifel, ob wir überhaupt etwas essbares vorgesetzt bekommen - aber alle Achtung, es war sehr gut.
Am Nachmittag ging es zur Verwandtschaft väterlicherseits. Dort wurden wir auch wieder mit Keksen, Kuchen und einer herzhaften Jause (= Brotzeit..für alle, die Jause nicht verstehen :-P).

Am 26.12. fuhr ich mit meinem Vater und Bruder nach Schladming Schi fahren. Von der Planai auf den Hauser Kaibling, über die Planai auf den Hochwurzen, weiter auf die Reiteralm und wieder zurück auf die Planai. Diese Bergtour schaffte mich am Ende des Tages ganz schön. Allerdings bewältigte ich den Zielhang der Planai bei Flutlicht wie eh und je mit bravour :-D
Die Pistenverhältnisse waren wunderbar, auch wenn nur Kunstschnee drauf lag. Wenn man seinen Blick von der Piste auf die herumliegende Landschaft richtete, sah man grüne Bäume und Wiesen.
Schnee war noch nicht so kurz nach Weihnachten.

Ab dem 27.12. sah man mich wieder einmal in rot/gelber Uniform in Linz herumlaufen. Ich machte zwei, drei Dienste beim ASB Linz mit meinen Freunden.
Auch am 31.12. begab ich mich um 18:30 Uhr in die Reindlstraße 24 zum Dienstbeginn für die bevorstehende Silvesternacht.
Mundl, Dinner for One und der Kaiser gehörten natürlich zum Pflichtprogramm in dieser Nacht (soweit es die Auftragslage halt zuließ). Um Mitternacht versammelten wir uns alle in der Leitstelle, um auf das neue Jahr anzustoßen.
Wie es der Zufall so wollte, musste kurz vor Mitternacht eine Mannschaft zu einem Notfall ausfahren und somit den Jahreswechsel mit Blaulicht auf der Autobahn verbringen - allerdings gibt es dafür bestimmt auch schlimmere Plätze, als mit Blau auf der Autobahn und rundherum die prächtigen Feuerwerke.
Man rechnet ja mit so einigem zu Silvester - betrunkene, Handgemänge, etc.. Aber was in dieser Nacht noch kam, damit rechnete wahrlich keiner von uns (Details dazu folgen im kommenden Kapitel).

Patrick in den Medien

Eilmeldung:
München/Linz. Ein 22-jähriger Azubi aus München schaffte es in seiner zweiten Woche im RTW Paktikum bereits in diverse Print- und Onlinemedien.
Ein paar Wochen später tauchte derselbe junge Mann in Zeitungs- und Fernsehberichten in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz wieder auf.

Ja, irgendwie scheine ich die Medienheinis anzuziehen in letzter Zeit.
Erst in München, als wir als Teil eines Großaufgebotes von Rettungsdienst und Feuerwehr zu einem Brand in ein Altersheim gerufen wurden.
Hier der dazugehörige Artikel: Artikel merkur.de

https://www.merkur.de/bilder/2016/11/22/7003319/905268893-feuerwehr-gefahrgutunfall-R2MG.jpg


Das zweite Mal hatte ich die Ehre bei meinem alljährlichen Silvesterdienst in Linz in den Medien zu landen.
Das neue Jahr war erst 1,5 Stunden alt, als in Linz Großalarm für Feuerwehr und Rettungsdienst ausgelöst wurde. In einem bekannten Veranstaltungskeller trat CO-Gas aus. Auch bei diesem Einsatz erwischte mich die Kamera des anwesenden Pressemenschen.
Hier der dazugehörige Artikel: Artikel OÖ Nachrichten

Dieser Einsatz zeigte einmal mehr die drastischen Unterschiede in einem Rettungsdienstsystem, das funktioniert und einem, das..naja eher halbherzig funktioniert. In einem gut funktionierendem System kommt ein Einsatzleiter für alle anwesenden Rettungsdienstler und koordiniert diese.
In Linz hatten wir leider mit insgesamt drei Einsatzleiter von unterschiedlichen Organisationen zu kämpfen, was die Sache nicht gerade einfacher machte.
Aber ich will schon gar nicht weiter lästern, die ganze Sache ist für alle Beteiligten gut ausgegangen und das ist ja schließlich die Hauptsache.



Schlussworte

Jetzt habe ich noch 2 Nachtschichten in Thalkirchen vor mir und dann geht es schon wieder auf in die Schule ab Montag für vier Wochen.
Nach diesen vier Wochen steht das erste Klinikpraktikum an im Klinikum dritter Orden. Ich bin schon gespannt was mich dort alles erwartet und freue mich darauf.

Bis dahin, macht's gut,
euer Patrick