Samstag, 25. Juli 2020

Ein Notfallsanitäter in den Bergen - Wandertagebuch

Liebes Tagebuch,

heute war ich in den Bergen wandern.
Wem es hier bereits zu langweilig wird und keine Lust mehr hat weiter zu lesen, hier die Kurzfassung: Ich war wandern, in den Bergen, es ging steil bergauf und auch wieder steil bergab, es war toll.

Für alle die etwas mehr Details wissen möchten - hier kommen sie...

Den Rettungsdienst in allen Ehren, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man einen guten Ausgleich dazu braucht. 12 Stunden Schichten, also 4 Arbeitstage pro Woche sind dann doch auf Dauer viel, wenn man abseits davon nicht wirklich etwas macht.
Deswegen dachte ich mir wandern wäre doch eine tolle Sache, raus in die Natur, weg von der Großstadt und im Optimalfall auch weg von anderen Menschen.
Nachdem ich die ersten beiden Male schon ganz gut und ohne größere Verletzungen überstanden habe, wollte ich diesesmal eine etwas längere Tour in Angriff nehmen - 3 Gipfel in 5 Stunden.

Nach dem Motto "Der frühe Vogel fängt den Wurm" und dank Carsharing fuhr ich heute früh um 6 Uhr los Richtung Jenbachtal. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn so früh sind vergleichsweise wenig bis gar keine Leute auf der Autobahn unterwegs und auch am Parkplatz war ich um 7 Uhr erst das dritte Auto.

Voller Tatendrang ging ich dann auch gleich los, rauf auf den Berg.
Der Anfang war sehr moderat, gemütliche Wanderwege, kleine kurze Anstiege...doch so sollte es nicht lange bleiben.
Nach ca. 20 Minuten Gehzeit kam der erste etwas längere Anstieg, bergauf, bergauf, bergauf.
So wie fast jedes Mal, wenn es zum ersten Mal etwas anstrengender wird, fragte ich mich auch heute wieder warum ich mir das eigentlich antue und nicht stattdessen zu Hause vor dem Fernseher vor mich hin vegetiere. Naja, die Antwort dafür steht ja bereits in der Einleitung, deswegen Zähne zusammenbeißen und weiter nach oben wandern.
Ich hörte mich zu diesem Zeitpunkt übrigens an wie eine quietschende, dampfende alte Dampflokomotive. Ja was soll ich sagen, mein Couch, Netflix und Chips verwöhnter Körper braucht eben immer etwas Anlauf, bis er sich an die neue Umgebung gewöhnt hat.
Ab der Hälfte hat zu allem Überfluss dann noch so ein kleines Männchen Kohlen ins Feuer geworfen, damit die Lok mehr dampft und weiter fährt. Gut, in meinem Fall hat das Männchen eher an dem Rädchen meiner Pulsfrequenz gedreht, bis es auf Anschlag war.
Nach besagtem Anstieg ging es (Gott sei Dank) wieder gemütlicher weiter, mein Körper hatte sich akklimatisiert und nach wenigen Metern im Flachen spürte ich auch gar nicht mehr meinen Puls im Hals - also alles wieder in bester Ordnung.

Nach etwa einer Stunde sollte ich laut Tourenbeschreibung den ersten Gipfel, den Mitterberg erreichen. Die Stunde war rum, allerdings sah ich kein Gipfelkreuz, sondern den nächsten Wegpunkt für den Aufstieg zum zweiten Gipfel. Komisch.
Als ich mich umdrehte sah ich auch prompt den fehlenden Gipfel - ich bin einfach dran vorbei gegangen. Aber nachdem ich mir felsenfest (Achtung Wortspiel :-)) vorgenommen habe jedes der drei Gipfelkreuze nicht nur zu sehen, sondern auch wirklich davor zu stehen und zu berühren, drehte ich um und marschierte zu meinem ersten Ziel hoch.
Oben angekommen erwartete mich ein toller Ausblick und in meinem Rucksack das Frühstück.

Gestärkt ging es weiter, an nun bereits bekanntem Wegpunkt vorbei Richtung Gipfel Nummer zwei, der Rampoldplatte.
Der Weg verlief quer über eine Almwiese, am Ende eine kleine private Alm und davor ein Kasten mit verschiedenen gekühlten Getränken, die man sich gegen eine kleine Gebühr mitnehmen durfte. Selbstredend unterstütze ich die regionalen Bauern und mit einer Johannisbeerschorle im Gepäck ging es weiter.
Den zweiten Gipfel habe ich nach insgesamt gut 2 Stunden Gehzeit gleich auf den ersten Anlauf gefunden, ganz ohne Umweg. Am Gipfelkreuz begegnete ich zwei Jungs, die mal eben so locker meinten, dass sie den Weg, für den ich knapp 2 Stunden brauchte, in 1 Stunden und 10 Minuten gewandert sind. Respekt.
Nach kurzem obligatorischen Wetter Smalltalk und der Tatsache, dass wir das gleiche Ziel hatten, nahm ich ihren Vorschlag gerne an, dass wir den weiteren Weg zusammen bestreiten. Das Tempo haben sie wegen mir nicht wirklich gedrosselt, allerdings kam ich erstaunlich gut hinterher - ganz ohne, dass ich meinen Puls wieder im Kopf spürte.

Über die gesamte Wanderung hinweg spazierte man immer wieder durch Weidegebiete hindurch. Das war bis zu diesem Zeitpunkt auch absolut kein Problem. Entweder machten die Kühe rechtzeitig Platz, oder man machte einen Bogen um sie.
Nicht so bei dem bockigen Rind, welches uns den Weg versperrte und offenbar kampflustig war.
Einer nach dem anderen soll in großem Bogen dran vorbei gehen - so war zumindest unser Plan.
Ich und einer meiner neuen Weggefährten schafften es auch anstandslos. Doch unser Schlussmann gefiel Rind Herbert (ich taufe es jetzt einfach mal so) scheinbar nicht so. Herbert machte einen großen Satz auf ihn zu, wobei er richtig reagierte und einen noch weiteren Bogen machte. Doch das fand Herbert immer noch nicht ganz so knorke und ging weiter energisch auf unseren Schlussmann zu. Lange Rede kurzer Sinn - keiner verletzt (weder Mensch noch Tier), alle überlebt.
Nach diesem kurzen Schreckmoment konnte es unbeirrt weiter gehen.

Der dritte und planmäßig letzte Gipfel der Rundtour ist der Höchste mit seinen 1624 Metern. Das merkte man auch an den Wegen und Pfaden, die sich den Berg hochschlängelten.
Über Stock und über Stein, zwischen Felsen und Bäumen, fernab von sämtlichen Almwiesen ging es nach oben. Kurz vor den letzten Metern standen wir jedoch plötzlich vor einer Felswand. Nun gut, der Berg heißt offensichtlich nicht umsonst Hochsalwand - es war eine Wand und die war hoch.
Aber das sollte uns nicht vom Aufstieg abhalten. Wagemutig kletterten wir hoch.
Zugegeben war die Kletterei in so luftiger Höhe doch leicht anstrengend, aber die Aussicht vom Berggipfel entschädigte alles.
Die geplante Jause (= Brotzeit) musste leider aufgrund der wechselnden Wetterlage ausfallen und so machten wir uns relativ zügig wieder auf den Weg nach unten ins Tal.
Zum Glück haben sich die aufziehenden Wolken dann doch rasch verzogen und die Sonne kam wieder hervor.

Der Abstieg war angenehm leicht und führte erneut über Almwiesen und Waldboden.
Nach etwa 25 Minuten erreichten wir eine Weggabelung, an der es zum einen weiter ins Tal hinab, aber auch zu einem anderen Berggipfel hinauf ging.
Kurzerhand entschloss ich, dass ich motiviert bin, verabschiedete mich von den Jungs und nahm somit Gipfel Nummer vier in Angriff. Es war der Wendeltsein mit seinen 1838 Metern, an dem nebendran, teilweise sogar direkt durch den Berg, die Wendelsteinbahn fährt.

Der Aufstieg zum Wendelstein war nochmal eine Herausforderung. Sehr steil über unbefestigtes Geröll ging es los und es wollte einfach nicht abflachen. Nur ein kurzer Weg unter der Wendelsteinbahn durch war flach, doch danach ging es wieder steil bergauf. Diesesmal ohne Geröll, sondern auf künstlich angelegten Stufen, die zum Ende hin dann sogar in gemauerte Betonstufen übergingen.
Doch noch kurz zu einer Sache, die ich in dem Geröllabschnitt mehrfach gesehen habe und bis jetzt noch nicht weiß wieso, weshalb und warum man so etwas macht.
Teilweise ganze Familien haben sich ihren Weg durch das Geröll gebahnt. Aber nicht mit einer ordentlichen Wanderausrüstung, nein. Mit normalen Straßenschuhen. Nicht einmal Turnschuhe, nichts.
Naja und es kam, wie es kommen musste. Eine feine Dame in Sneakers, viel zu großen Wanderstöcken und leichter Bekleidung, rutschte aus und verletzte sich den Fuß.

Und um dem Titel auch etwas gerecht zu werden: Selbstverständlich habe ich mich sofort als Notfallsanitäter zu erkennen gegeben, aus meinem Rucksack die elektrische Absaugpumpe und die Vakuum-Beinschiene hervorgeholt und sogleich der verletzten Dame den Fuß geschient. Währenddessen den Notruf abgesetzt und einen Rettungshubschrauber angefragt. Als die Rettungskette in Gang gesetzt war und das Bein geschient, holte ich die Schleifkorbtrage hervor, die ich an meinem Rucksack befestigt hatte, um die Dame zur Landestelle des Hubschraubers zu bringen...
Na gut, um ehrlich zu sein, ganz so is es jetzt nicht abgelaufen. Der Teil mit der Fußverletzung stimmt tatsächlich, der Rest ist...nennen wir es künstlerische Freiheit.
Die Dame und ihr Begleiter konnten noch selbst zur nahegelegenen Alm absteigen und kümmerten sich dort selbst um weitere Hilfe. Ich konnte also ganz entspannt weiter meinen Weg nach oben fortsetzen.

Oben angekommen erreicht man nicht direkt den Gipfel, sondern einen vorgeschobenen Platz, an dem die Bergstation der Wendelsteinbahn ist, sowie eine kleine Aussichtsplattform mit einer bayerischen blau-weiß karrierter Fahne und eine Gaststätte. Nebendran geht der endgültige Weg hoch auf den Gipfel.
Da ich nun schon einige Stunden unterwegs war, entschied ich mich zuerst für eine kleine Stärkung, bevor ich den nun wirklich letzten Gipfel des heutigen Tages erreiche. Natürlich alles unter Einhaltung der aktuell geltenden Hygienevorschriften. Ich empfand das sehr angenehm - man bekam einen Tisch zugewiesen, musste nicht zusammengepfercht mit anderen auf einem tisch sitzen und man konnte, bzw. musste das Tablett auf dem Tisch stehen lassen und durfte es nicht selbst wegräumen.
Kurz darauf legte ich auch schon los. Den Aufstieg musste ich mir mit etlichen Touristen teilen, die mit der Bahn hoch gefahren sind und die letzten 15 Minuten zwangsläufig zu Fuß absolvieren mussten.
Das Bergpanorama von oben war wunderschön und man konnte sogar die österreichischen Alpen erblicken.

Nun aber war es wirklich genug für heute. Der letzte Abstieg ins Tal zeigte sich wieder sehr angenehm. Lockere Waldböden mischten sich mit Steinwegen und Asphaltstraßen. Nach gut 1 Stunde und 25 Minuten war ich dann auch wieder am Parkplatz angelangt.

Mit dem spontanen Aufstieg auf den Wendelstein waren es somit 4 Gipfel und insgesamt 7 Stunden Gehzeit.
Gar nicht mal so schlecht würde ich sagen. So, und jetzt fall ich erstmal ins Bett und schlafe eine Runde.

Bis zum nächsten Mal liebes Tagebuch,
dein Patrick













Montag, 23. September 2019

Geschafft - der Weg zum Notfallsanitäter

Durch Höhen und Tiefen sind wir gegangen, haben uns lieben und hassen gelernt und neue Freunde gefunden - Der Weg zum Notfallsanitäter - ein kurzer Rückblick.

Im Oktober 2016 ging die Reise los.
Der erste Schultag, ja der ganze erste Schulblock verging wie im Flug.
Man lernte neue Leute kennen, neue Dozenten und eine neue Art der Unterrichtsform - ladies and gentlemen, I proudly present "Die Gruppenarbeit".
Manchmal war es eine Herausforderung dem Unterricht zu folgen und nicht abzuschweifen, oder sogar währenddessen mal kurz einzunicken. Und glaubt mir, es gibt genug Beweisfotos, die zeige, dass nicht nur ich das so empfunden habe :-D
Dennoch haben die Dozenten hervorragende Arbeit geleistet und uns ihr Wissen vermittelt.

Im ersten RTW Block, in dem es dann auch das erste Mal in den harten Rettungsdienstalltag ging, wurde ich von der gesamten Wachmannschaft Thalkirchen bereits von Anfang an als Kollege sehr herzlich aufgenommen. Während den 3 Jahren war die gesamte Wache samt meiner Praxisanleiterin eine sehr große Stütze und half mir bei nahezu jedem Anliegen weiter.
Ich hatte Glück und konnte beinahe meine gesamte Lehrzeit auf dieser tollen Wache verbringen. Hin und wieder fuhr ich aber auch an anderen Standorten und lernte somit eine Vielzahl an Kollegen und Einsatzgebieten kennen.

Aber nicht nur die Ausbildung in der Schule oder am Rettungswagen waren ein prägender Teil der vergangenen Jahre. Ich hatte auch die Möglichkeit in verschiedene Abteilungen der Klinikversorgung rein zu schnuppern. In insgesamt 720 Stunden, verteilt auf Notaufnahme, Pflegestation, Psychiatrie, sowie Intensivstation und OP/Anästhesie durfte ich neue Fähigkeiten und Abläufe erlernen.

Die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Stationspersonal, waren es jetzt Pfleger/-innen oder Ärzte/-innen, fand ich hervorragend und konnte somit viel selbst am Patienten arbeiten, sowie viel für die tägliche Praxis auf der Straße mitnehmen.
Shout out an dieser Stelle für den besten Anästhesiedrachen in ganz München - dein Philip-Pascal ist jetzt Nitfallsanitäter! :-D :-D

Ja, es hat sich einiges getan während der letzten 3 Jahre.
Sei es nun fachlich/beruflich, als auch privat.
Ich durfte wahnsinnig tolle Menschen kennen lernen in meiner Klasse, sowie in der Firma und ich bin stolz darauf einige von ihnen einen Freund nennen zu dürfen.
Soviel Streit und Hass es auch 3 Jahre lang, mal mehr mal weniger in unserer Klasse gab, hatten wir doch allesamt von Anfang an nur ein gemeinsames Ziel, das wir jetzt auch endlich erreicht haben.
Der ganze Stress, Schweiß und die Tränen haben sich gelohnt - wir sind Notfallsanitäter.


Einen ganz besonderen Dank an dieser Stelle an meine Familie, die Wache Thalkirchen und meine Freunde, die mich seit Beginn voll und ganz auf diesem Weg unterstützt haben und vermutlich manchmal mehr als ich selbst an den positiven Ausgang des Examens geglaubt haben.
Danke vor allem für die letzten Wochen und Tagen während des ganzen Prüfungsstresses - ich weiß, ich war manchmal anstrengend, aber ich bin mir sicher vom einen oder anderen kommt die Retourkutsche dafür noch früh genug :-)

Also dann meine Lieben, ich mache jetzt erst einmal etwas Urlaub von der Arbeit und von München, bevor es im Oktober dann so richtig los geht mit dem Ernst des Lebens.
Zum Schluss gibts für euch unten noch ein paar Impressionen der Ausbildung :-)

Bis dann, euer Patrick

Aller Anfang ist schwer

Examensvorbereitung

Fahrsicherheitstraining mit dem RTW

Österreichische Einsatzleitung :-D

Übung macht den Meister:






Dienstag, 13. November 2018

Unfall auf Betriebsgelände - Als Einsatzleiter auf einer Großübung

Am Freitag durfte ich gemeinsam mit meiner Kollegin und guten Freundin Kathi an einer groß angelegten Übung der Freiwilligen Feuerwehr Geiselbullach teilnehmen.
Nach der Schule besetzten wir einen RTW, der auf der Hauptwache bereits auf uns wartete und fuhren damit nach Geiselbullach.
Alles was wir bis zu diesem Zeitpunkt wussten war, dass es sich um eine technische Hilfeleistunsgsübung handelte, also vermutlich ein Verkehrsunfall, bei dem wir ein oder zwei Patienten zu versorgen haben.


In Geiselbullach angekommen wurden wir bereits von der Übungsleiterin empfangen und uns wurde gesagt, dass wir als 1. RTW bei dieser Übung geplant sind. Heißt, es kommen noch weitere Kollegen vom Rettungsdienst, sowie eine zweite Feuerwehr dazu und das Übungsszenario wird doch etwas größer als gedacht.
Alles klar - wir, zwei Azubis im 3. Lehrjahr, die außer in der Theorie noch keinen größeren Realeinsatz geleitet haben, sollten plötzlich die eigenverantwortliche Einsatzleitung bei einem Großunfall bzw. Massenanfall von Verletzten (MANV) übernehmen.
Wir beredeten uns kurz und sahen uns noch einmal die für Bayern gültigen Algorithmen an für ein derartiges Szenario.

Nach und nach kamen nun auch die restlichen Kollegen vom Roten Kreuz, den Maltesern und der Freiwilligen Feuerwehr Gernlinden, sowie unser Notarzt.
Es wurden Hände geschüttelt, erste Worte gewechselt, bis schließlich alle in der Fahrzeughalle im Kreis versammelt waren und die Verantwortlichen ein paar kurze Worte an uns richteten.
Danach ging es auch schon los. Die Mannschaften wurden eingeteilt, die Fahrzeuge besetzt und laut Alarmierungsplan auf der Straße vor dem Feuerwehrhaus Aufstellung genommen.
Auf unserem RTW fuhr noch ein weiterer Kollege und der Notarzt mit, der die medizinische Leitung bei so einem MANV hat. Wir als 1. RTW übernehmen laut Richtlinien hierbei die organisatorische Einsatzleitung, bis (bei einem Realeinsatz) der bestellte Einsatzleiter Rettungsdienst oder organisatorische Einsatzleiter eintrifft.
Der medizinische Leiter entscheidet welche Patienten bei der Behandlung Vorrang haben und wie jeder einzelne Patient genau behandelt wird.
Der organisatorische Leiter ist für die Nachforderung von weiteren Kräften und die Registrierung der verfügbaren Einsatzkräfte, sowie Patienten verantwortlich, ebenso wie für die Aufteilung der Kräfte am Einsatzort, den gesamten Ablauf des Einsatzes und der Anmeldung in den Kliniken.


Da standen wir also, aufgereiht nach dem Ausrückplan und warteten auf unsere Alarmierung.
Ich war der Patientnverantwortliche auf dem Auto, sprich der Beifahrer und somit im Falle des Falles auch der, der die Einsatzleitung übernehmen muss. Kathi war die Fahrerin und somit meine rechte Hand, als auch für eine eventuelle Patientenbetreuung vor Ort zuständig.
Gegen ca. 19:22 Uhr erhielten wir das Startsignal und wir fuhren los Richtung Einsatzstelle. Es handelte sich um ein Betriebsgelände, dass uns freundlicherweise für die Übung zur Verfügung gestellt wurde.

Keine 5 Minuten später kamen wir an der Einsatzadresse an und tatsächlich - zwei verunfallte PKW, ein Radlader, ein LKW und ein Brand im Hintergrund.
Kathi parkte den RTW außerhalb des Gefahrenbereiches, ich setzte mir den Helm auf und zog mir den gelben Überwurf "1. RTW" über (Einsatzleiterweste).
Nach einem kurzen check, ob jeder alles hat was er braucht, ging ich mit dem dritten Kollegen zur Sichtung Richtung Unfallstelle und Kathi mit dem Notarzt ans andere Ende der Einsatzstelle.
Es waren eine reanimationspflichtige Person im Radlader, im ersten PKW ein bewusstloses Kind, ein bewusstloser Beifahrer und ein ansprechbarer Fahrer. Im zweiten PKW, der auf dem Dach lag war eine bewusstlose Person im Auto eingeklemmt und eine bewusstlose Person lag unter dem Auto.
In oder unter dem LKW war zum Glück kein weiterer Patient zu finden, allerdings teilte er die Einsatzstelle in zwei kleine Abschnitte, was das Ganze etwas unübersichtlich gestaltete.
Das Feuer war für uns erstmal irrelevant, da es weit genug weg von uns war.
Nach den ersten gewonnenen Erkenntnissen forderte ich bei der Leitstelle weitere Rettungskräfte nach. Währenddessen traf auch schon die Feuerwehr ein, die sich zum einen sofort um den Brand kümmerte und zum anderen um unsere eingeklemmten Patienten in den beiden Fahrzeugen, sowie im Radlader.
Da die Person im Radlader einen Herz-Kreislauf-Stillstand hatte, wurde diese mittels Crash Rettung (Sofortrettung) von zwei Mann vom Radlader herunter gerettet und dem eben eingetroffenen nachgeforderten RTW Team zur Reanimation übergeben.
Kathi stand derweil beim ersten PKW mit den drei Verletzten als medizinsiche Ansprechpartnerin für die Feuerwehr und den Patienten zur Seite.
Hier wurde zuerst das Kleinkind gerettet und dem ebenfalls nachgeforderten Kindernotarzt übergeben. Danach wurde der bewusstlose Beifahrer von der Feuerwehr aus dem Auto befreit. Da zu diesem Zeitpunkt mangels Ressourcenknappheit kein komplettes RTW Team für die Patientenbetreuung zur Verfügung stand, kümmerte sich Kathi um den Patienten, der soweit kreislaufstabil war.
Inzwischen wechselte ich den Einsatzabschnitt, rüber zu dem PKW, der auf dem Dach lag. Dort war bereits die Feuerwehr drauf und dran den Patienten unter dem Auto hervor zu retten und ein weiteres RTW Team des BRK inklusive unserem Notarzt standen zur Versorgung bereit.
Währenddessen kümmerte sich unser dritter Kollege mit einem weiteren Trupp der Feuerwehr um die Befreiung des eingeklemmten Patienten im Auto.



Um 19:45 Uhr traf ich mich zur kurzen Lagebesprechung mit der Feuerwehr-Einsatzleitung an deren Einsatzleitwagen. Es wurden Patientenzahlen ausgetauscht und die aktuelle Situation besprochen, damit jeder auf dem gleichen Stand war.

Die ersten Patienten waren mittlerweile bereits in die umliegenden Krankenhäuser abtransportiert.
Es waren somit nur noch der ansprechbare Fahrer im ersten PKW und der bewusstlose, eingeklemmte Patient im zweiten PKW zu versorgen.
Priorität hatte hierbei der bewusstlose Patient in Auto Nummer zwei. Dieser wurde auch relativ zügig befreit und vom bereit stehenden RTW Team und dem Notarzt sogleich medizinisch erstversorgt und dem fiktiven Team des Rettungshubschraubers übergeben.
Somit blieb nur noch ein Patient über. Dieser wurde von der Feuerwehr in Zusammenarbeit mit dem RTW Team der Malteser über den Kofferraum aus dem Fahrzeug gerettet und ebenfalls mit Unterstützung vom Notarzt versorgt und abtransportiert.
Mit diesem letzten Abtransport um 20:15 Uhr war dann auch offizielles Übungsende. Alle Patienten waren in Krankenhäuser untergebracht, ein Patient, der als Passant die Einsatzstelle aufsuchte wurde die ganze Zeit über von der Feuerwehr betreut und der Brand war gelöscht.

Bevor die Schrottfahrzeuge von der Feuerwehr beseitigt wurden, durften wir vom Rettungsdienst den Rettungsspreizer selbst an den Autos ausprobieren und uns auch mal wie echte Feuerwehrmänner und -frauen fühlen.



Nachdem wir uns nach der Übung alle wieder im Feuerwehrhaus versammelt hatten, gab es zum Ausklang noch gutes Essen und Trinken und zum Abschluss eine Führung durch das Haus und die Hallen der Feuerwehr Geiselbullach.

Das Fazit der Übung fiel überaus positiv aus. Gerade für mich, der das erste Mal einen Einsatz in diesem Ausmaß leiten durfte ein kleiner Erfolg. Natürlich gab es ein, zwei Kleinigkeiten, die man besser machen hätte können/müssen, aber genau dafür sind solche Übungen da - um diese Schwachstellen aufzudecken und beim nächsten Realeinsatz diese Fehler nicht noch einmal zu machen.

Nach einem anstrengenden, aber super lehrreichen und tollen Abend, an dem wir auch neue Kontakte zu den Kollegen der anderen Einsatzorganisationen knüpfen konnten, fuhren Kathi und ich wieder zurück auf die Hauptwache und stellten unseren RTW und von dort aus trat jeder seinen Heimweg an.


Vielen Dank auch noch einmal an die beteiligten Feuerwehren Geiselbullach für die tolle Organisation und die Gastfreundschaft, sowie der Feuerwehr Gernlinden, den Kollegen vom BRK und dem MHD!

Sonntag, 28. Oktober 2018

Einsatzfahrt in der Nacht - Gedanken einer Nachtschicht

Es ist vier Uhr morgens, wir liegen gerade auf der Couch unserer Rettungswache, als uns der Melder aus unserer wohlverdienten, aber nur kurzen Ruhephase reißt.
Aufstehen, Schuhe anziehen, die Jacke schnappen, raus ins Treppenhaus und runter zum Auto. Ein Klick auf das blaue Fähnchen am Navigationsgerät verrät uns, wo uns dieser Einsatz hinführt. Das Schlagwort "#Schmerzen" ist darauf zu lesen, unweit unseres Standortes - so soll es sein.
Anschnallen, Status 3 drücken, Motor starten und los geht's auch schon. Kurz vor dem Ausfahrtsschranken wird der Knopf gedrückt, der die schwarze Nacht in Farbe hüllt - das Blaulicht am Dach und am Kühlergrill unseres Rettungswagens leuchtet und blitzt über den aufgehenden Schranken hinweg gegen die Hauswand und auf die Straße.
Um diese Uhrzeit ist außer uns keiner auf den Straßen unterwegs. Wir überqueren die Isar auf der beleuchteten Brücke und fahren am Tierpark vorbei, wo dessen Bewohner gerade ebenso friedlich schlafen, wie der Rest der Stadt. Naja fast - wir sind nämlich hellwach.
Während wir mit Blaulicht über die Straßen der Stadt gleiten, überlegen wir uns, was uns dort nun erwarten könnte. Um welche Schmerzen handelt es sich, wo genau hat der Patient diese Schmerzen und handelt es sich eventuell sogar um einen lebensbedrohlichen Herzinfarkt? Ist der Patient kurz vor der Bewusstlosigkeit aufgrund seiner starken Schmerzen, oder ist es verhältnismäßig eine Nichtigkeit, wie etwa ein verstauchter Fuß oder ähnliches?
Währenddessen ist der Blick immer nach vorne auf die Straße gerichtet und der Anblick, der sich uns nach einigen hundert Metern Fahrt bietet ist nahezu idyllisch - man könnte schon fast sagen kitschig, romantisch.
Das Blaulicht leuchtet die gesamte Straße aus, selbst die Bäume links und rechts am Gehweg sind in blaues Licht getaucht - vor uns der Mond, so groß und tief stehend, als wäre er zum greifen nahe. In dieser Nacht kann man meinen ist die Straßenbeleuchtung überflüssig, da der Mond am wolkenfreien Himmel die Stadt wunderschön ausleuchtet.
Für einen kurzen Moment dürfen wir diesen wundervollen Anblick und die Stille genießen, inmitten der Anspannung der Einsatzfahrt und des noch unbekannten, kommenden Patienten.
Drei Kurven später stehen wir vor der Einsatzadresse, vor dem Haus, in dem wir sehnsüchtig erwartet werden.
Status 4 gedrückt, Blaulicht ausschalten, Warnblinkanlage und Heckwarnleuchten an - für einen Augenblick ist nur das Klacken der Blinker im inneren des Fahrzeuges zu hören - noch einmal für eine Sekunde sammeln. Die Türen gehen auf, wir steigen aus, schultern uns das EKG und den Rucksack und verschwinden durch das Gartentor ums Hauseck, um dort dem bis jetzt unbekannten Patienten zu begegnen.
Unser Rettungswagen steht nun orange leuchtend und blinkend am Straßenrand, Auge in Auge mit dem gigantischen Mond und wartet darauf, dass wir wieder zurück kommen und mit ihm erneut über Münchens Straßen gleiten und sie in blaues Licht tauchen.
Noch weitere zwei Mal in dieser Nacht wird uns der Melder wieder hellwach rütteln, das Treppenhaus uns den Weg zum Auto ebnen, das blaue Fähnchen uns den richtigen Weg zeigen und das Blaulicht die Nacht um ihr düsteres schwarz bringen...







Samstag, 11. August 2018

Klinikpraktikum Anästhesie/Intensivstation

7 Wochen durfte ich im OP auf der Seite der Anästhesie wichtige Dinge für meinen zukünftigen Job erlernen.
7 Wochen Infusionsnadeln legen - 7 Wochen Patienten beatmen und intubieren - 7 Wochen Medikamente verabreichen - und mindestens 5 von 7 Wochen mit einem anderen Namen angesprochen worden...aber dazu später mehr.

Die Kollegen waren sowohl auf Seiten der Pflege, als auch der Ärzte wirklich nett und immer gewillt mir Neues beizubringen.
In den ersten Wochen konnte ich die Themen Beatmung - Beatmungsgerät einstellen - difficult Airwaymanagement - Medikamente und theoretische Grundlagen zur Physiologie der Atmung vertiefen. Immer anhand von realen Beispielen in Form der Patienten im OP.
Was tun, wenn sich der Patient nicht richtig beatmen lässt? Wenn der Sauerstoff bedrohlich niedrig wird und der Patient dabei auch noch mit dem Gesicht nach unten auf dem Tisch liegt...
Oder sich schon von Anfang an die Situation zur Intubation schwierig gestaltet...
Themen, die wir in der Schule nur trocken durchgenommen haben, aber in diesen 7 Wochen ein paar mal mehr als real wurden. Mit einigen guten Tipps und Tricks der Kollegen bin ich nun auch in der Notfallmedizin auf solche Probleme vorbereitet und weiß was zu tun ist.

Mit der Zeit durfte ich auch die richtige Technik des Beatmens erlernen, sowie das einlegen der Larynxmaske - eine Atemwegssicherung für einen Patienten, der in Vollnarkose beatmet wird.
Etwas später durfte ich dann auch die ersten Patienten selbstständig intubieren. So leicht das auch immer aussieht, so schwer ist es in der Realität, wenn man es zum erstem Mal macht.
Aber Übung macht den Meister und so arbeitete ich mich von den einfacheren zahnlosen Patienten zu den jungen Patienten hoch, die noch ein schönes, volles Gebiss hatten.

Auch das Legen einer Infusionsnadel will geübt sein - diese Möglichkeit hatte ich zu genüge. Von blau (ganz klein), über rose und grün (Standardgröße), bis hin zur orangenen (ganz groß) Nadel konnte ich somit in allen wichtigen Größen die Routine trainieren.

                                           grün, grün, grün sind alle meine Kleider...


An dieser Stelle möchte ich eine Kollegin von Seiten der Ärzteschaft etwas näher hervorheben.
Sie blieb mir vor allem deswegen im Gedächtnis, weil sie mich immer Philip-Pascal nannte. Immer, außer in Stresssituationen, oder wenn der Chef- bzw. Oberarzt neben dran stand.
Aber das fiel mir teilweise gar nicht mehr auf.
Ich versuche sie euch mal zu beschreiben (in der Hoffnung, dass sie sich darin selbst wiedererkennt):
  • Die, die mich nie bei meinem richtigen Namen nannte.
  • Die, die alle Warnzeichen übersieht, bis es zu spät ist.
  • Die, die ihr Studium in Österreich absolvierte (Ob man zu dieser Zeit den Doktortitel noch verschenkt hat? Wir werden es wohl nie erfahren).
  • Die, deren Patienten sie fragen, ob man diese Anästhesistenausbildung nach der Schule machen kann.
  • Die, die ohne Metamizol (= Novalgin) vermutlich komplett aufgeschmissen wäre.*
  • Die, die ihr Gehalt quasi bereits direkt bei der Arbeit wieder ausgibt.
  • Die, die ihre Macht schamlos ausnutzte und mich armen Praktikanten zu ihrem Vergnügen rumscheuchte.
  • Die, deren Umgangston selbst Schwester Rabiata eine Gänsehaut bescheren würde.
  • Oder um das alles kurz zusammenzufassen - der Anästhesiedrache oder auch das Anästhesiemonster.

*Nahezu jeder Patient bekam Novalgin von ihr. Sollte ich ihr dieses Medikament auch nur mal 2 Sekunden zu spät hingestellt haben, ging sie auf wie eine Furie und schimpfte wie ein Rohrspatz vor sich hin.

Aber trotz dieser...nennen wir es mal kleinen Schikanen...durfte ich von ihr einiges lernen und es wär ohne sie bestimmt nur halb so lustig gewesen. :-D

Nach der Zeit in der Anästhesie war ich anschließend noch 3 Wochen auf der Intensivstation.
Intubierte/Beatmete Patienten, Kardioversionen, Reanimation, Sepsis, COPD - all das waren Krankheitsbilder, die ich dort kennen lernen durfte.
Auch der Tod war leider das eine und andere Mal ein treuer Begleiter.
Neben ein paar Notfallmaßnahmen stand hier die allgemeine Pflege der Patienten und das Abwarten auf Besserung auf dem Programm.
Auch auf der Intensivstation wurde ich vom Ärzte- und Pflegeteam sehr schnell integriert und konnte viel mitnehmen.



Nun sind alle Klinikpraktikas erledigt und den Rest meiner Ausbildung verbringe ich hauptsächlich noch auf dem Rettungswagen, sowie einigen kleineren Schulblöcken.

Grüße an Freunde und Familie nach Österreich,
euer Patrick

Samstag, 11. November 2017

Die Anstalt

Samstag, 28.10.2017 - ich sitze mit Andi im Zug, unser Reiseziel ist Wasserburg am Inn, Standort der Psychiatie Inn-Salzach-Klinikum.
Ca. 1 Stunde nach Abfahrt in München kamen wir in Wasserburg an. Der Himmel ist grau und es ist kalt.
Der Weg vom Bahnhof rauf zum Klinikum war unheimlich. Es waren keine Menschen zu sehen, vor uns eine Straße, die von kahlen Bäumen abgegrenzt ist und bei einem Haus hingen Seile vor der Haustüre.
In anbetracht dessen, dass wir gerade auf dem Weg in eine Irrenanstalt waren, war uns etwas mulmig zumute.
Einige gruselige Momente später erreichten wir doch noch unbeschadet das Klinikgelände und das Wohnheim.
Am nächsten Tag besuchten wir die Stadt Wasserburg, die noch sehr im mittelalterlichen Stil glänzt. Wir trotztem dem Regenwetter und besichtigten alle Sehenswerten Ecken dieser tollen Stadt.








Am 30.10. ging das Praktikum dann endlich los.
Ich durfte zwei Wochen auf der Suchtstation S2 mitarbeiten.
Die S2 ist eine Aufnahmestation für primär Suchtkranke Patienten, egal ob Alkohol oder sonstige Drogen. Dadurch, dass es eine Aufnahmestation ist, müssen allerdings auch alle anderen Patienten, die eine Psychiatrie aufsuchen aufgenommen werden.
Somit hatte ich in diesen zwei Wochen nicht nur mit Suchtkranken Patienten zu tun, sonder auch mit Krankheitsbildern, wie etwa akute Psychosen, Suizidgedanken, oder Schizophrenie. Diese Mischung verschiedener Patienten machte das Ganze noch spannender, da jeder von ihnen eine ganz individuelle Betreuung bedurfte.

Die Suchtkranken Patienten machen auf der S2 einen Alkohol- oder Drogenentzug, primär medikamentös, um den körperlichen Entzug voran zu treiben. Mithilfe von zwei Sozialpädagoginnen auf der Station, haben die Patienten die Möglichkeit auch abseits der Medikamente für die Zeit nach der Entlassung, gemeinsam mit den beiden Kolleginnen eine ambulante Selbsthilfegruppe, o.ä. zu finden. Weitere Betreuung benötigen die Suchtpatienten in der Regel nicht.

Bei Patienten mit Schizophrenie oder akuten Psychosen sieht das schon anders aus. Wenn sie wieder ein psychotischer Schub ereilt, sind sie in ihrer eigenen Welt gefangen.
Ich hatte während meines Praktikums unter anderem mit Patienten zu tun, die ihre toten Verwandten sahen, die der Patienten befahlen sich selbst zu bestrafen. Desweiteren hatten wir eine Patientin, die in jedem Menschen eine komplett andere "Figur" sah. In mir beispielsweise sah sie Lucifer.
Diese Patienten kamen regelmäßig auf das Pflegepersonal zu, um über ihre aktuelle Situation zu reden. Aber auch wir kamen auf die Patienten zu, wenn wir bemerkten, dass sie gerade wieder in eine andere Welt abdriften.

Manche Patienten machten sehr gute Vortschritte und konnten mit gutem Gewissen entlassen werden. Ander wiederum sah man immer und immer wieder - auch in der Psychiatrie gibt es Stammgäste.

Ich wurde während meiner Praktikumszeit voll ins Team integriert. Zu den Aufgaben gehörten unter anderem das Vorbereiten von Frühstück, Mittag- und Abendessen, die Patienten zur Ergo-, Sport-, Kunst- oder Entspannungstherapie zu begleiten, mit den Patienten spazieren gehen und eben die Betreuung von Patienten, wenn sie in ihre Krankheitsbilder zurückgefallen sind.
Da die Patienten auf der S2 alle Selbstständig sind, fällt der pflegerische Aspekt, wie Helfen bei der Körperpflege komplett weg.
Vom Alter her war ebenso wie bei den Krankheitsbildern sehr viel vertreten.
Der jüngste Patient war 19 Jahre, der älteste 76.

Das Klinikgelände ist im alten Pavillionstil errichtet worden und es stehen noch zum Großteil die alten Backsteinhäuser herum. Die roten Backsteingebäude in Verbindung mit dem Herbstnebel und der Kälte waren doch das ein und andere Mal etwas gruseig.






Insgesamt sechs Kollegen aus meiner Klasse absolvierten mit mir in diesem Klinikum das Praktikum.
Jeder war in einer anderen Abteilung eingesetzt.
Während unseres Aufenthaltes wohnten wir im Schwesternwohnheim, das sich am Gelände befindet.

Das Praktikum war wirklich sehr interessant. Im Rettungsdienst sind wir meistens froh, wenn wir solche Patienten aus dem RTW bekommen. Hier konnte ich nun mal sehen, wie es weitergeht, wenn sie aus unserem Auto ausgestiegen sind.
Außerdem habe ich vieles über Suchtkranke und psychotische Menschen erfahren, vor allem was hinter so einer Krankheit steckt.
Es waren zwei lehrreiche Wochen, die ich in guter Erinnerung behalten werde.

In diesem Sinne, mit lieben Grüßen aus München,
Patrick