Donnerstag, 12. Januar 2017

Der erste Praxisblock

Hier bin ich wieder mit ein paar Details zum ersten Praxisblock, der unter dem Stern des RTW (Rettungswagen) - oft auch liebevoll Sanka genannt - steht.

Montag, 14.11. und Dienstag, 15.11. erhielten wir unsere Pflichteinweisungen zu den Themen Hygiene, Arbeitsschutz und die Geräteeinweisungen auf der Hauptwache in der Karl-Schmid-Straße.
Auch kurze praktische Übungen mit den neuen Geräten standen auf der Tagesordnung, ebenso wie ein kurzer Rundgang in unserem zukünftigen Arbeitsgerät, dem RTW.

Die ersten RTW Schichten

Am Mittwoch, den 16. November war es endlich soweit - die erste RTW Schicht stand ins Haus.
Für die ersten Wochen fuhr ich auf der Rettungswache Thakirchen, Funkrufname: Rettung München Thalkirchen 71/1.

Nach einem kurzen Kennenlernen unter den neuen Kollegen und einer Einweisung in den Ablauf der Rettungswache ging es schon runter zum Autochecken.
Es sollte nicht lange dauern, bis wir das erste Mal alarmiert wurden - zu einem Schlaganfall.

Gleich die ersten Einsätze waren sehr interessant und lehrreich. Von Schlaganfall über Wohnungsöffnung mit der Feuerwehr, bis hin zu einem Kind mit Atemnot. Es war wirklich ein breites Spektrum an Krankheitsbildern und Maßnahmen, die ich zum Teil auch schon selbstständig durchführen durfte.
Am tollsten fand ich persönlich den letzten Einsatz dieser Schicht. Wir wurden gemeinsam mit dem NEF (Notarzteinsatzfahrzeug) zu einem gemeldeten Herzinfarkt alarmiert, was sich im Verlauf zu eine akuten Asthmaanfall herausstellte.
Dieser Einsatz war insofern sehr interessant, weil ich die verschiedenen Maßnahmen, wie etwa EKG kleben, Infusion vorbereiten und sogar Medikamente vorbereiten und verabreichen unter Anleitung des Notarztes machen durfte. Es wurde mir jede einzelne Maßnahme, die ich noch nicht kannte sehr genau erklärt. Das NEF Team, sowie mein RTW Team haben sehr viel Ruhe in die Situation gebracht, auch um den aufgeregten Patienten etwas zu beruhigen und ihn so auch etwas zu stabilisieren.
Nach den ganznen Maßnahmen auf dem Weg zum Auto und im Auto auf dem Weg zum Krankenhaus erklärte mir der Notarzt sehr viel zum aktuellen Krankheitsbild des Patienten und zu den Therapiemaßnahmen, sowie den Folgen.
Ich hatte das Gefühl wirklich gut aufgehoben und nicht nur das fünfte Rad am Wagen zu sein.

Die 3. Schicht fuhr ich mit einem Kollegen, der im 5. Semester Medzin studiert und an der Sanitätsakademie der Bundeswehr Einsatzsanitäter ausbildet. Ihr könnt euch nun glaube ich schon denken, dass diese Schicht ebenfalls sehr lehrreich war.
Ich durfte alle Patientenanamnesen selbstständig durchführen, immer meinen Kollegen als Rückendeckung, sollte ich doch einmal nicht mehr weiter wissen.
Aufgrund der fundierten Fachkenntnisse meiner Kollegen lernte ich auch in dieser Schicht wieder ein paar neue Dinge dazu. Einige konnte ich in der Praxis an unseren Patienten anwenden, andere wiederum besprachen wir in der Theorie.

Dann kamen endlich die Schichten, in denen ich mit meiner Praxisanleiterin fahren durfte. Sie ist gleichzeitig die Wachleiterin in Thalkirchen und arbeitet nebenbei als Krankenschwester in dem Krankenhaus, in dem unsere Wache beherbergt ist.

Meine erste Reanimation in München ließ nicht lange auf sich warten und bei dieser fuhr ich ebenso mit meiner Praxisanleiterin.
Kurz zur Erklärung: Bei dem Meldebild "Bewusstlos" wird in München-Stadt gleichzitig zum RTW und NEF ein HLF (Hilfeleistungslöschfahrzeug) der Berusfeuerwehr München entsandt. Dieses HLF bringt neben mehreren Mann Manpower auch einen Lucas zur Einsatzstelle. Der Lucas ist eine automatische Reanimationsmaschine, die diejenige Person ablöst, die die Herzdruckmassage am Patienten durchführt. Somit eine Erleichterung für das Rettungsdienstpersonal und wieder ein Mann mehr für alle weiteren anfallenden Sachen, wie Infusionen und Medikamente vorbereiten, Atemwegssicherung, Transportvorbereitung, etc..
Dieser Einsatz lief unter den vorhandenen Umständen (wenig Platz, da sich alles im engen Treppenhaus abspielte) relativ gut. Nachdem ich nach kurzer Zeit vom Drücken durch den Lucas erlöst wurde, durfte ich meinen Kollegen bei der Atemwegssicherung zur Hand gehen, das benötigte Material vorbereiten und dementsprechend anreichen. Nachdem der Patient soweit von uns versorgt war, entschied sich der Notarzt für einen raschen Transport in die Klinik.
Hier war die zusätzliche Manpower der Feuerwehrleute wieder von Vorteil - Patienten tragen, Rucksack, EKG, Sauerstoff, und und und - mit dieser vielen Mannes(und natürlich Frauen-)kraft alles nur hab so wild.
Unter laufender Reanimation fuhren wir schließlich den Schockraum in der nächsttgelegenen Klinik an. Hinter unserem RTW fuhren natürlich das NEF und auch das HLF mit, da die ihren Lucas nach dem Einsatz in der Klinik wieder einpacken mussten.
Als wir den Patienten dem Ärzteteam übergeben haben und wir wieder zum Auto zurückgingen, bot sich mir ein doch fürs erste etwas ungewohntes Bild in der Anfahrt zur Notaufnahme - neben unserem RTW stand nun das in der Zeit eingetroffene NEF und das HLF der Feuerwehr - sieht man außerhalb von München auch nicht, dass ein Feuerwehrauto, als wäre es ganz normal (was es hier ja auch wirklich ist) neben den üblichen Fahrzeugen in der Anfahrtszone der Notaufnahme steht.

Weitere Einsätze waren unter anderem Herzinfarkt, Atemnot, und ganz viel Kollaps.
In der Vorweihnachtszeit rollte die Grippewelle über München und dessen Bewohner. Diese war mitunter ein Grund, weswegen wir sehr viele Fahrten mit dem Medebild "Kollaps" hatten. Hatte der Patient wirklich nur die typischen Grippesymptome wurde ihm geraten sich auszuruhen, den Hausarzt aufzusuchen und in einigen Fällen wurde von uns auch der KVB (=Ärztlicher Bereitschaftsdienst) verständigt, damit dieser einen Hausbesuch macht.
Wollte der Patient trotzdem mit in die Klinik, oder hatte er es aus unserer Sicht auch wirklich nötig, wurde er selbstverständlich auch dorthin gebracht.

Eine weitere Besonderheit die München zu bieten hat ist das Kinder-NEF. Auf diesem Notarztbesetztem Einsatzmittel sitzt ein Kinderarzt, der bei bestimmten Meldebildern, wie etwa Kind mit Atemnot oder Kind Bewusstlos gleichzeitig mit dem normalen NEF disponiert wird.
Die Kollegen vom Kinder-NEF haben auch noch spezielles, kleiners Material mit dabei für die Behandlung von den kleinen Patienten. Auch fällt es ihnen teilweise leichter mit den kleinen Patienten umzugehen und das Vertrauen zu ihnen aufzubauen. Kein Wunder, wenn man beruflich jeden Tag mit Kindern arbeitet.

Ich durfte bis jetzt die Rettungswachen Thalkirchen und Hansapark (Sendling) kenne lernen. Auf beiden Wachen bin ich mit wirklich netten Kollegen gefahren und habe einiges gelernt.
Thalkirchen ist wie eine kleine Familie. Die Wache befindet sich in dem dort gelegenen chirurgischen Krankenhaus inklusive einem NEF Stützpunkt. Somit kennen die Kollegen, die bereits einige Jahre dort fahren auch schon die Ärzte der Klinik und die, die regelmäßig auch als Notarzt fahren. Das macht das Arbeiten am Einsatzort gleich viel entspannter, wenn man sich untereinander kennt und weiß wie sein gegenüber arbeitet.
Den Zusammenhalt der Mannschaften in Thalkirchen kann man ungefähr mit denen der Dienststelle Muldenstraße (ehem. Wienerstraße) beim ASB Linz vergleichen. Dort geht es auch sehr familiär zu und jeder ist sehr hilfsbereit.

Auf dem RTW Rettung München Sendling 71/3 hatte ich meine bis jetzt zweite und letzte Reanimation. Im Einzugsgebiet der Rettungswache Hansapark ist unter anderem der Münchner Hauptbahnhof und somit auch einige betrunkene Patienten für uns.
Der RTW Sendling 71/3 ist einer der neuersten Modelle, die 2016 in den Dienst gestellt wurden. Die größte Neuerung ist das Presslufthorn, das neben dem normalen Elektrohorn (das man üblicherweise hört) Platz fand. In manchen Situationen ist es wirklich von Vorteil, auch wenn man teilweise sein eigenes Wort im Auto nicht mehr versteht :-D

Und so sieht ein Bayern Retter aus:

  


  

Mittlerweile hat auch in München der Winter einzug gehalten. Schnee und Minusgrade machen das Arbeiten nicht wirklich einfacher.
Die härteste Schicht war definitiv diejenige, als es bis zu minus 10 °C hatte.
Bei diesen eisigen Temperaturen muss man wirklich bei jedem Schritt aufpassen, dass man nicht plötzlich selbst samt Equipment neben dem Patienten liegt. Auch das navigieren der Trage wird im Schnee und auf Eis zur Herausforderung. Bis jetzt hat das alles aber zum Glück gut geklappt.
Dem Wetter geschuldet sieht unser Arbeitsgerät, der RTW, nach jeder Schicht aus, als wäre man mit ihm durch ein Schlammloch gefahren. Dann heißt es putzen. Zumindest den Innenraum regelmäßig nach Schichtende, da dieser sonst zur gefährlichen Rutschpartie wird.
Eine Außenreinigung des Autos nach jeder Schicht, oder jeden Tag hat wenig Sinn, da es nach den nächsten paar Fahrten sowieso wieder genauso schmutzig ist.
Wenn man allerdings die Lichter und die Beklebung am Auto dann nicht mehr erkennen kann, ist es Zeit auch mal außen die Bürste anzusetzten.


Winter im Münchner Rettungsdienst - die Nachfolgeschicht hat das Auto übrigens wieder gänzlich sauber bekommen

Weihnachtsfeiern

Am 25. November stand die Weihnachtsfeier der Rettungswache Thalkirchen auf dem Plan.
Wir wurden von unserer Wachleiterin (meine Praxisanleiterin) in ein nettes griechisches Restaurant eingeladen.
In kleiner, aber feiner Runde aßen und tranken wir bis in die späteren Abendstunden und nach einem kleinen Tänzchen zu den Klängen der griechischen Band ging es dann wieder nach Hause.
Ach ja, die nette Aufmerksamkeit darf ich auch nicht vergessen zu erwähnen. Als Weihnachtsgeschenk erhieten wir alle eine peronalisierte Tasse mit unserem jeweiligen Namen, den Namen der Rettungswache, den Funkrufnamen des RTWs und zwei Bildern. Über diese Geste habe ich mich besonders gefreut, da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine ganzen zwei Wochen im RTW Praktikum war und trotzdem in diese kleine Familie bereits aufgenommen wurde.














Eine Woche später wurden wir zur nächsten Weihnachtsferie geladen. Diesmal zur Firmenweihnachtsfeier der Aicher Ambulanz.
Diese fand in einem Hotel etwas außerhalb vom Zentrum statt.
Für uns Azubis war das ein Pflichttermin, um die ganzen anderen Kollegen und das Chefpersonal einmal kennen zu lernen. Was anfangs wie eine gezwungene Pflichtveranstaltung klang, entpuppte sich jedoch zu einem wirklich geselligen Abend.
Gestartet wurde mit einem Punsch/Glühwein Empfang, danach durften wir alle im schön gedeckten Festsaal Platz nehmen. Nach ein paar Worten des Chefs wurde dann auch sehr rasch das riesige Buffet eröffnet. Ab dann waren die offiziellen Reden so gut wie vorbei und wir genossen das Ambiente und vor allem das Desserbuffet noch bis in die Morgenstunden.

Heimaturlaub

In der Weihnachtszeit von 24.12.-01.01. fuhr ich wieder einmal nach Hause nach Steyregg.
Am 24.12. feierten wir am Abend daheim Weihnachten und am darauffolgenden Tag wurde, wie jedes Jahr, die ganze Verwandtschaft abgeklappert.
Zu Mittag waren wir bei der Familie mütterlicherseits zum Essen eingeladen. Meine Tante zauberte einen traumhaften Truthahn mit Füllung und wahnsinns Beilagen. Zugegeben wir hatten im vorhinein so unsere Zweifel, ob wir überhaupt etwas essbares vorgesetzt bekommen - aber alle Achtung, es war sehr gut.
Am Nachmittag ging es zur Verwandtschaft väterlicherseits. Dort wurden wir auch wieder mit Keksen, Kuchen und einer herzhaften Jause (= Brotzeit..für alle, die Jause nicht verstehen :-P).

Am 26.12. fuhr ich mit meinem Vater und Bruder nach Schladming Schi fahren. Von der Planai auf den Hauser Kaibling, über die Planai auf den Hochwurzen, weiter auf die Reiteralm und wieder zurück auf die Planai. Diese Bergtour schaffte mich am Ende des Tages ganz schön. Allerdings bewältigte ich den Zielhang der Planai bei Flutlicht wie eh und je mit bravour :-D
Die Pistenverhältnisse waren wunderbar, auch wenn nur Kunstschnee drauf lag. Wenn man seinen Blick von der Piste auf die herumliegende Landschaft richtete, sah man grüne Bäume und Wiesen.
Schnee war noch nicht so kurz nach Weihnachten.

Ab dem 27.12. sah man mich wieder einmal in rot/gelber Uniform in Linz herumlaufen. Ich machte zwei, drei Dienste beim ASB Linz mit meinen Freunden.
Auch am 31.12. begab ich mich um 18:30 Uhr in die Reindlstraße 24 zum Dienstbeginn für die bevorstehende Silvesternacht.
Mundl, Dinner for One und der Kaiser gehörten natürlich zum Pflichtprogramm in dieser Nacht (soweit es die Auftragslage halt zuließ). Um Mitternacht versammelten wir uns alle in der Leitstelle, um auf das neue Jahr anzustoßen.
Wie es der Zufall so wollte, musste kurz vor Mitternacht eine Mannschaft zu einem Notfall ausfahren und somit den Jahreswechsel mit Blaulicht auf der Autobahn verbringen - allerdings gibt es dafür bestimmt auch schlimmere Plätze, als mit Blau auf der Autobahn und rundherum die prächtigen Feuerwerke.
Man rechnet ja mit so einigem zu Silvester - betrunkene, Handgemänge, etc.. Aber was in dieser Nacht noch kam, damit rechnete wahrlich keiner von uns (Details dazu folgen im kommenden Kapitel).

Patrick in den Medien

Eilmeldung:
München/Linz. Ein 22-jähriger Azubi aus München schaffte es in seiner zweiten Woche im RTW Paktikum bereits in diverse Print- und Onlinemedien.
Ein paar Wochen später tauchte derselbe junge Mann in Zeitungs- und Fernsehberichten in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz wieder auf.

Ja, irgendwie scheine ich die Medienheinis anzuziehen in letzter Zeit.
Erst in München, als wir als Teil eines Großaufgebotes von Rettungsdienst und Feuerwehr zu einem Brand in ein Altersheim gerufen wurden.
Hier der dazugehörige Artikel: Artikel merkur.de

https://www.merkur.de/bilder/2016/11/22/7003319/905268893-feuerwehr-gefahrgutunfall-R2MG.jpg


Das zweite Mal hatte ich die Ehre bei meinem alljährlichen Silvesterdienst in Linz in den Medien zu landen.
Das neue Jahr war erst 1,5 Stunden alt, als in Linz Großalarm für Feuerwehr und Rettungsdienst ausgelöst wurde. In einem bekannten Veranstaltungskeller trat CO-Gas aus. Auch bei diesem Einsatz erwischte mich die Kamera des anwesenden Pressemenschen.
Hier der dazugehörige Artikel: Artikel OÖ Nachrichten

Dieser Einsatz zeigte einmal mehr die drastischen Unterschiede in einem Rettungsdienstsystem, das funktioniert und einem, das..naja eher halbherzig funktioniert. In einem gut funktionierendem System kommt ein Einsatzleiter für alle anwesenden Rettungsdienstler und koordiniert diese.
In Linz hatten wir leider mit insgesamt drei Einsatzleiter von unterschiedlichen Organisationen zu kämpfen, was die Sache nicht gerade einfacher machte.
Aber ich will schon gar nicht weiter lästern, die ganze Sache ist für alle Beteiligten gut ausgegangen und das ist ja schließlich die Hauptsache.



Schlussworte

Jetzt habe ich noch 2 Nachtschichten in Thalkirchen vor mir und dann geht es schon wieder auf in die Schule ab Montag für vier Wochen.
Nach diesen vier Wochen steht das erste Klinikpraktikum an im Klinikum dritter Orden. Ich bin schon gespannt was mich dort alles erwartet und freue mich darauf.

Bis dahin, macht's gut,
euer Patrick

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