Ein Anruf von der ILS (Integrierten Leitstelle) München: Vorankündigung Polytrauma, Verkehrsunfall, Eintreffzeit des Patienten mit Notarztbegleitung in ca. 20 Minuten.
Es ist gegen 13:00 Uhr, als die Hebel für die Schockraumalarmierung in Gang gesetzt werden.
Songraphiegerät reinschieben, Röntgenschürze anziehen, Blutabnahmeset und EKG vorbereiten. Nach und nach trudeln die Kollegen aus den verschiedenen Fachbereichen Anästhesie, Allgemein- und Unfallchirurgie, sowie Radiologie ein.
13:15 Nun wartet alles auf den Patienten. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen und alle Geräte (Narkosegerät, Motorspritzen, Defibrillator...) zum wiederholten Mal auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft. Ich stelle mich ans Fußende der Liege und nehme mir die Kleiderschere aus der Halterung. Meine Aufgabe wird es sein dem Patienten die Kleidung aufzuschneiden und zu entfernen, sodass die Ärzte freien Zugang auf den gesamten Körper haben, um eventuelle Verletzungen von oben bis unten festzustellen.
13:20 Die Türe geht auf und der Rettungsdienst samt Notarzt und Patient betreten den Schockraum. Der Notarzt übergibt dem Traumaleader (Oberarzt der Unfallchirurgie) mit den wichtigsten Infos in knappen Worten den Patienten.
Der Patient ist soweit kreislaufstabil, hat ein Schädel Hirn Trauma, Schmerzen im Bereich des linken Brustkorbes, sowie Schmerzen und eine Wunde am linken Unterschenkel.
Innerhalb von 5 Minuten nach Eintreffen ist der Patient von der Trage des Rettungsdienstes auf unsere Liege umgelagert, die Allgemeinchirurgen untersuchen mit dem Sonographiegerät den Bauch des Patienten, die Unfallchirurgen übernehmen den Bodycheck und eine weitere Ärztin hört die Lunge ab, um sicherzustellen, dass diese nicht verletzt ist und der Patient gut atmen kann.
Währenddessen schreite ich zur Tat, ziehe ihm die Schuhe aus, schneide die Jeans vorsichtig auf und arbeite mich hoch bis zum T-Shirt, dass ich zuletzt ebenfalls runter schneide.
13:35 Der Patient ist soweit nicht lebensbedrohlich verletzt und stabil genug, um zum CT weiterzufahren. Die Traumaspirale ist im vollen Gange.
Mit Überwachungs-Monitoring schieben wir den Patienten zu den Kollegen vom Röntgen rüber. Ich helfe noch beim Umlagern mit und verabschiede mich einstweilen vom Patienten, den ich später in der Notaufnahme sowieso wiedersehen werde.
Etwas später stellte sich heraus, dass der Unterschenkel gebrochen ist, aber der Patient ansonsten keine weiteren Verletzungen hat. Er wird einige Tage in der Klinik verbringen müssen, bis sich sein Zustand gänzlich bessert.
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