Am Freitag durfte ich gemeinsam mit meiner Kollegin und guten Freundin Kathi an einer groß angelegten Übung der Freiwilligen Feuerwehr Geiselbullach teilnehmen.
Nach der Schule besetzten wir einen RTW, der auf der Hauptwache bereits auf uns wartete und fuhren damit nach Geiselbullach.
Alles was wir bis zu diesem Zeitpunkt wussten war, dass es sich um eine technische Hilfeleistunsgsübung handelte, also vermutlich ein Verkehrsunfall, bei dem wir ein oder zwei Patienten zu versorgen haben.
In Geiselbullach angekommen wurden wir bereits von der Übungsleiterin empfangen und uns wurde gesagt, dass wir als 1. RTW bei dieser Übung geplant sind. Heißt, es kommen noch weitere Kollegen vom Rettungsdienst, sowie eine zweite Feuerwehr dazu und das Übungsszenario wird doch etwas größer als gedacht.
Alles klar - wir, zwei Azubis im 3. Lehrjahr, die außer in der Theorie noch keinen größeren Realeinsatz geleitet haben, sollten plötzlich die eigenverantwortliche Einsatzleitung bei einem Großunfall bzw. Massenanfall von Verletzten (MANV) übernehmen.
Wir beredeten uns kurz und sahen uns noch einmal die für Bayern gültigen Algorithmen an für ein derartiges Szenario.
Nach und nach kamen nun auch die restlichen Kollegen vom Roten Kreuz, den Maltesern und der Freiwilligen Feuerwehr Gernlinden, sowie unser Notarzt.
Es wurden Hände geschüttelt, erste Worte gewechselt, bis schließlich alle in der Fahrzeughalle im Kreis versammelt waren und die Verantwortlichen ein paar kurze Worte an uns richteten.
Danach ging es auch schon los. Die Mannschaften wurden eingeteilt, die Fahrzeuge besetzt und laut Alarmierungsplan auf der Straße vor dem Feuerwehrhaus Aufstellung genommen.
Auf unserem RTW fuhr noch ein weiterer Kollege und der Notarzt mit, der die medizinische Leitung bei so einem MANV hat. Wir als 1. RTW übernehmen laut Richtlinien hierbei die organisatorische Einsatzleitung, bis (bei einem Realeinsatz) der bestellte Einsatzleiter Rettungsdienst oder organisatorische Einsatzleiter eintrifft.
Der medizinische Leiter entscheidet welche Patienten bei der Behandlung Vorrang haben und wie jeder einzelne Patient genau behandelt wird.
Der organisatorische Leiter ist für die Nachforderung von weiteren Kräften und die Registrierung der verfügbaren Einsatzkräfte, sowie Patienten verantwortlich, ebenso wie für die Aufteilung der Kräfte am Einsatzort, den gesamten Ablauf des Einsatzes und der Anmeldung in den Kliniken.
Da standen wir also, aufgereiht nach dem Ausrückplan und warteten auf unsere Alarmierung.
Ich war der Patientnverantwortliche auf dem Auto, sprich der Beifahrer und somit im Falle des Falles auch der, der die Einsatzleitung übernehmen muss. Kathi war die Fahrerin und somit meine rechte Hand, als auch für eine eventuelle Patientenbetreuung vor Ort zuständig.
Gegen ca. 19:22 Uhr erhielten wir das Startsignal und wir fuhren los Richtung Einsatzstelle. Es handelte sich um ein Betriebsgelände, dass uns freundlicherweise für die Übung zur Verfügung gestellt wurde.
Keine 5 Minuten später kamen wir an der Einsatzadresse an und tatsächlich - zwei verunfallte PKW, ein Radlader, ein LKW und ein Brand im Hintergrund.
Kathi parkte den RTW außerhalb des Gefahrenbereiches, ich setzte mir den Helm auf und zog mir den gelben Überwurf "1. RTW" über (Einsatzleiterweste).
Nach einem kurzen check, ob jeder alles hat was er braucht, ging ich mit dem dritten Kollegen zur Sichtung Richtung Unfallstelle und Kathi mit dem Notarzt ans andere Ende der Einsatzstelle.
Es waren eine reanimationspflichtige Person im Radlader, im ersten PKW ein bewusstloses Kind, ein bewusstloser Beifahrer und ein ansprechbarer Fahrer. Im zweiten PKW, der auf dem Dach lag war eine bewusstlose Person im Auto eingeklemmt und eine bewusstlose Person lag unter dem Auto.
In oder unter dem LKW war zum Glück kein weiterer Patient zu finden, allerdings teilte er die Einsatzstelle in zwei kleine Abschnitte, was das Ganze etwas unübersichtlich gestaltete.
Das Feuer war für uns erstmal irrelevant, da es weit genug weg von uns war.
Nach den ersten gewonnenen Erkenntnissen forderte ich bei der Leitstelle weitere Rettungskräfte nach. Währenddessen traf auch schon die Feuerwehr ein, die sich zum einen sofort um den Brand kümmerte und zum anderen um unsere eingeklemmten Patienten in den beiden Fahrzeugen, sowie im Radlader.
Da die Person im Radlader einen Herz-Kreislauf-Stillstand hatte, wurde diese mittels Crash Rettung (Sofortrettung) von zwei Mann vom Radlader herunter gerettet und dem eben eingetroffenen nachgeforderten RTW Team zur Reanimation übergeben.
Kathi stand derweil beim ersten PKW mit den drei Verletzten als medizinsiche Ansprechpartnerin für die Feuerwehr und den Patienten zur Seite.
Hier wurde zuerst das Kleinkind gerettet und dem ebenfalls nachgeforderten Kindernotarzt übergeben. Danach wurde der bewusstlose Beifahrer von der Feuerwehr aus dem Auto befreit. Da zu diesem Zeitpunkt mangels Ressourcenknappheit kein komplettes RTW Team für die Patientenbetreuung zur Verfügung stand, kümmerte sich Kathi um den Patienten, der soweit kreislaufstabil war.
Inzwischen wechselte ich den Einsatzabschnitt, rüber zu dem PKW, der auf dem Dach lag. Dort war bereits die Feuerwehr drauf und dran den Patienten unter dem Auto hervor zu retten und ein weiteres RTW Team des BRK inklusive unserem Notarzt standen zur Versorgung bereit.
Währenddessen kümmerte sich unser dritter Kollege mit einem weiteren Trupp der Feuerwehr um die Befreiung des eingeklemmten Patienten im Auto.
Um 19:45 Uhr traf ich mich zur kurzen Lagebesprechung mit der Feuerwehr-Einsatzleitung an deren Einsatzleitwagen. Es wurden Patientenzahlen ausgetauscht und die aktuelle Situation besprochen, damit jeder auf dem gleichen Stand war.
Die ersten Patienten waren mittlerweile bereits in die umliegenden Krankenhäuser abtransportiert.
Es waren somit nur noch der ansprechbare Fahrer im ersten PKW und der bewusstlose, eingeklemmte Patient im zweiten PKW zu versorgen.
Priorität hatte hierbei der bewusstlose Patient in Auto Nummer zwei. Dieser wurde auch relativ zügig befreit und vom bereit stehenden RTW Team und dem Notarzt sogleich medizinisch erstversorgt und dem fiktiven Team des Rettungshubschraubers übergeben.
Somit blieb nur noch ein Patient über. Dieser wurde von der Feuerwehr in Zusammenarbeit mit dem RTW Team der Malteser über den Kofferraum aus dem Fahrzeug gerettet und ebenfalls mit Unterstützung vom Notarzt versorgt und abtransportiert.
Mit diesem letzten Abtransport um 20:15 Uhr war dann auch offizielles Übungsende. Alle Patienten waren in Krankenhäuser untergebracht, ein Patient, der als Passant die Einsatzstelle aufsuchte wurde die ganze Zeit über von der Feuerwehr betreut und der Brand war gelöscht.
Bevor die Schrottfahrzeuge von der Feuerwehr beseitigt wurden, durften wir vom Rettungsdienst den Rettungsspreizer selbst an den Autos ausprobieren und uns auch mal wie echte Feuerwehrmänner und -frauen fühlen.
Nachdem wir uns nach der Übung alle wieder im Feuerwehrhaus versammelt hatten, gab es zum Ausklang noch gutes Essen und Trinken und zum Abschluss eine Führung durch das Haus und die Hallen der Feuerwehr Geiselbullach.
Das Fazit der Übung fiel überaus positiv aus. Gerade für mich, der das erste Mal einen Einsatz in diesem Ausmaß leiten durfte ein kleiner Erfolg. Natürlich gab es ein, zwei Kleinigkeiten, die man besser machen hätte können/müssen, aber genau dafür sind solche Übungen da - um diese Schwachstellen aufzudecken und beim nächsten Realeinsatz diese Fehler nicht noch einmal zu machen.
Nach einem anstrengenden, aber super lehrreichen und tollen Abend, an dem wir auch neue Kontakte zu den Kollegen der anderen Einsatzorganisationen knüpfen konnten, fuhren Kathi und ich wieder zurück auf die Hauptwache und stellten unseren RTW und von dort aus trat jeder seinen Heimweg an.
Vielen Dank auch noch einmal an die beteiligten Feuerwehren Geiselbullach für die tolle Organisation und die Gastfreundschaft, sowie der Feuerwehr Gernlinden, den Kollegen vom BRK und dem MHD!









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